Innerhalb einer Familie verwandelt sich eines Tages die übliche Gewalt des Ehemanns gegenüber seiner Frau in Femizid. Die Frau liegt tot auf dem Boden, aber ihr Tod reicht nicht aus: niemand glaubt ihr. So wird die Frau, wie der Engel des Hauses, gezwungen sein aufzustehen und die gleiche Routine wieder aufzunehmen, das Haus zu putzen, sich um die Hausarbeit zu kümmern, Mahlzeiten für ihren Sohn und ihren Ehemann zuzubereiten, sich um ihre alte Schwiegermutter zu kümmern. Jeden Morgen finden die Mitglieder ihrer Familie sie tot vor und glauben ihr nicht.
Jeden Morgen steht sie wieder auf, öffnet die zu fest verschlossene Kaffeemaschine und beginnt erneut, die Gewalt ihres Mannes, die Depression ihres Sohnes, die Ohnmacht ihrer Schwiegermutter zu ertragen, die, anstatt ihren brutalen und despotischen Sohn zu verurteilen, ihn bemitleidet. Jeden Abend stirbt die Frau erneut, wie in einem Kreis der Hölle, in dem der Schmerz niemals erlischt. Im Halbdunkel eines schlafenden Hauses schüttelt der Engel die Säume seines Morgenrocks und versucht zu fliegen, aber nur die Absicht zu fliegen wird ihr gewährt.
Mit L’Angelo del Focolare – „die gute Fee des Hauses“ auf Französisch, ein Titel, der nicht ohne Ironie ist –, enthüllt Emma Dante, bekannt für ihre politischen und sozialen Kreationen, eine erschreckende Realität, die hinter vielen Mauern lauert. Durch diesen „Nicht-Tod“ stellt sie durch eine physische Partitur die kollektive Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden der Opfer bloß. Indem sie ihre Heldin dazu verurteilt, unaufhörlich wieder aufzuerstehen, bringt sie mit ihrem ganzen Gewicht die symbolische Last zum Vorschein, die Frauen erdrückt: heroische und stille Säulen zu sein, ohne sich jemals vom Haushalt befreien zu können. L’Angelo del Focolare ist ein starkes Stück, ein wahrer Schrei des Schmerzes.