Vorführung gefolgt von einem Austausch mit: Clémence Bertouille und Clémence Vital Durand, Hebammen am CHU Saint-Pierre Lauraline Michel ist Ausbilderin und Mitbegründerin des Vereins OXO. Fürsorge hat ihren Preis für die Gesundheit der Personen, die diese Rolle übernehmen, mehrheitlich Frauen. Bereichert durch feministische Praktiken und ihr Engagement dient ihre Arbeit der Gemeinschaft, zehrt sie aber auch aus. Das Gewicht wird auf die individuelle Verantwortung gelegt, doch die Institutionen müssen eine Rolle bei der Prävention von Erschöpfung und der Achtung des Wohlbefindens spielen. Die Leiden der Akteure in der Hilfe- und Pflegebeziehung sind strukturell und erfordern kollektive Antworten. Die Hebammen und Gynäkologen des Kreißsaals des CHU Saint-Pierre setzen sich dafür ein, psychosoziale Risiken zu verhindern und die Machtverhältnisse, insbesondere mit dem Verein OXO, zu dekonstruieren. In einem durch Sparmaßnahmen und zunehmende Armut geschwächten System sind die Nachsorgen von Patientinnen mit multiplen Vulnerabilitäten komplex und stark nachgefragt. Auf der anderen Seite erzwingen Unterfinanzierung und Kommerzialisierung der Pflege Rentabilität. Zwischen der Bedeutung der menschlichen Dimension und der von der Institution geforderten Produktivität ist das Paradoxon allgegenwärtig.