25 Jahre nach ‚Jan, mijn vriend‘ schreibt Raven Ruëll ein neues Stück Theater für Bruno Vanden Broecke. Je älter sie werden, desto klarer ihre Zusammenarbeit und Sprache. Raven hat das Patent auf und das Talent, in den einfachsten und treffendsten Formulierungen eine fesselnde Erzählung aufzubauen und wesentliche Themen zu berühren. Bruno versetzt sich nur allzu gerne in diese Art von Menschen und Porträts.
Lasse Vonck ist als junger Künstler von Presse und Publikum zum Wunderkind ausgerufen und bejubelt worden. Dreißig Jahre später ist das nicht mehr der Fall. Dass die Menschen ihn mit den Jahren vergessen haben, findet er ein zu tragendes Schicksal, aber er ist auf dem Holzweg; er sucht ein Ziel, Sinn. An einem Frühlingstag ohne Glanz ist Lasse beim Erwachen derart von sich selbst entfremdet, dass er nicht mehr gut weiß, wer er ist. Er kann sogar nicht mehr sprechen.
'Confessie' ist inspiriert von der zeit- und wetterlosen Geschichte 'De Gedaanteverwisseling' von Franz Kafka. Es skizziert ein Porträt des Menschen als stillen Protest.
Ein neuer Theatertext von Raven Ruëll, geschrieben für und gespielt von Bruno Vanden Broecke. Beide machen zusammen schon 25 Jahre Vorstellungen, darunter 'Missie' (2007), 'Para' (2016) und 'Klink' (2023).
Ich habe echt nichts mit Autosaber ich hatte einen seltsamen Traumhat mich lange beschäftigtEs geht um einen-wie sagt man das-einen Familienwagen
Ich bin neun Jahreund meine Mutter und ich schauen aus dem FensterWir sehen einen stark muskulösen Mann im Unterhemdder einen nach dem anderenalle vier Reifen des weißen Citroën BXvon meinem Vater demontiertdanach holt er einen Vorschlaghammer herausund schlägt alle Fenster in Trümmerzerreißt fröhlich alle Sitze-vorne und hinten-in Fetzenherausreißt das Autoradio herausbricht die Seitenspiegel abzieht das Lenkrad heraus
und meine Mutter schaut dabei zuund sie tut nichtsund ich laufe nach draußen
der Mann in seinem Unterhemd ist -puff- aufgelöst
und ich will rufenich will schreienaber es gelingt mir nichtes gelingt mir schon wieder nichtfür mich selbst einzustehenwarum ist das so schwierig
und ich schaue auf das, was vom Citroën übrig bleibt
ich sehe das Plätzchen, wo ich immer saßals wir in den Urlaub aufbrachenin der Mitte des Rücksitzesso ein bisschen nach vornezwischen meinem Vater und meiner MutterEllenbogen auf der Seite ihrer Stühleund ich darf das Kassettchen wählen, um es in das Autoradio zu stecken
‘lieber kleiner Piranha zerfleisch mich’
Text und Regie Raven Ruëll | Spel Bruno Vanden Broecke | Techniek Gert Van Hyfte | Foto Fred Debrock | Productie De Speelman | Spreiding Jimmie Dimmick