Frankreich, September 1940. Der 49-jährige Ingenieur Henri Marre (Swann Arlaud, Anatomie d’une chute) kommt allein in Vichy an. Ohne Verbindungen versucht er, sich innerhalb des neuen Regimes einen Platz zu erobern. In seinem Koffer befindet sich Notre salut, ein selbstgeschriebenes politisches Manuskript, das er unbedingt veröffentlicht sehen möchte. Henri behauptet, Frankreich vor dem Untergang retten zu wollen, doch nach und nach wird klar, dass er vor allem versucht, sich selbst zu retten.
Regisseur Emmanuel Marre (Rien à foutre) fand die Inspiration für den Film in rund 300 Briefen seiner eigenen Großeltern. Anstatt seine Familiengeschichte zu idealisieren, zeichnet er ein messerscharfes Porträt eines Mannes, dessen Überzeugungen vor allem durch das bestimmt werden, was ihm in diesem Moment am besten in den Kram passt. Opportunismus wird in Kriegszeiten schnell zur Kollaboration. Marre gießt das Ganze in eine überraschend spielerische Form: ein Kriegsdrama, das Hannah Arendts Banalität des Bösen in ihrer unverfälschten Alltäglichkeit in einer Mischung aus „The Office“ und „The Zone of Interest“ zeigt. Notre salut feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes, wo Marre den Preis für Beste Scenario gewann.