‚Wahrheit‘ in trüber und getrübter Polyphonie (14.–16. Jahrhundert). In de Parmenides van Plato leugnet Socrates, dass formlose Dinge wie Schlamm, Haare oder Müll an der Wahrheit der Idee oder der Urform teilhaben. Im 15. Jahrhundert nennt der Neoplatoniker Nicolaas van Cusa Polyphonie ‚Exkremente, die an den Fliesen kleben‘. Polyphonie war schon immer ein Krisenrepertoire, und das hatte weniger mit ihrem Inhalt als vielmehr mit ihrer Form zu tun. Es fehlt Polyphonie als eine fest umrissene, geschlossene Form, und die Komponisten waren sich dessen nur allzu bewusst. Im 14. und 15. Jahrhundert führen die Polyphonisten die Geometrie der Polyphonie und ihre formenden, formlosen und verformten Formen zu einem ungekannten Höhepunkt. Man könnte sie, mit einem von Albrecht Dürer entlehnten Begriff, die Meister der Ungestalt nennen. Wahrheit ist nicht in den perfekten geschlossenen platonischen Formen zu finden, sondern in den bewegenden, offenen und ständig verändernden Formen der Polyphonie.
BESETZUNG
Björn Schmelzer, künstlerische Leitung
Florencia Menconi, Sopran
Andrew Hallock, Altus
André Pérez Muiño, Tenor
Albert Riera, Tenor
Andrés Miravete, Tenor
Marius Peterson, Tenor
Tomàs Maxé, Bariton
Arnout Malfliet, Bass
IN ZUSAMMENARBEIT MIT
De Warande Stad Turnhout
ADRESSE
Sint-Pieterskerk Grote Markt 80, Turnhout