Sie hat Grübchen in ihren Wangen, und im Sommer mehr Sommersprossen als ich. Sie hat einen durchdringenden Blick. Mit ihren Augen kann sie hinter den Blick anderer schauen. Du siehst das selbst auf dem Foto. Die Kamera schaut zu ihr, und sie schaut zurück. Nicht unbesorgt. Ich auch nicht. Aber wir lachen in die Kamera, denn so geht das in den 90er Jahren. Sie hält mich gerade im Sand. Und ich sie manchmal auch.
Mira Bryssinck erkundet mit dem intimen ‘Iemands zus’ die Auswirkungen einer Behinderung auf das Familienleben. Anhand von Interviews mit Menschen mit einer Behinderung und ihren Geschwistern, intimen Gesprächen mit Familienmitgliedern, Schnipseln aus alten Sammelalben und sprechendem Dokumentarmaterial untersucht Mira die Grauzonen zwischen Pflege erhalten und Pflege tragen.
Wie wächst man mit einer Behinderung neben einem Geschwisterkind ohne Behinderung auf? Und wie formt eine solche Behinderung eine Familie? Wie schaut die Gesellschaft darauf und auf welche Weise schauen Familien zurück? Dieses Material bildet die Basis für eine (fiktive) Erzählung über zwei Schwestern.
Auf der Bühne entfaltet sich eine filmische Coming-of-Age-Geschichte, getragen von Zeichnungen von Estelle Demaré und der Musik von RAMAN.