shou Heute Abend ›
Salvia
Musik

Salvia

Do., 17. Dez. 2026 · 19:30
Botanique, Brussels
€19–22
Als Toen Nicole Selivan mit zwanzig Jahren wegen des Krieges aus der Ukraine aufbrach, ließ sie dort auch eine anfangs zarte Musikkarriere zurück. Vier Jahre später bringt sie unter dem Namen SALVIA ihr Debütalbum heraus: „Cult of Suffering“ ist zu einer Form melancholischer Therapie geworden, getränkt in Dark Wave und Post-Punk, die sich manchmal überraschend heiter und tanzbar präsentieren. Nach ihrer Abreise aus der Ukraine landete Selivan in Brüssel, wo sie auf Arno De Ros (King Viktor) traf – et voilà – SALVIA war geboren. Eine straffe Basslinie und elektronische Drums verleihen ihrer Musik eine düstere und verträumte Energie, die verwandt ist mit dem Dreampop, New Wave und Gothic Alternative von Bands wie Boy Harsher, Lebanon Hanover und Current Joys. Eine Kombination, die auch bei Studio Brussel Anklang fand, denn mit der Debütsingle Time schaffte es SALVIA ins Finale von De Nieuwe Lichting. Seitdem sammelte SALVIA Airplay bis nach Osteuropa, Australien und in die USA, und die Musik landete bei namhaften Indie-Sendern wie KEXP, 3FM und FIP. Auch live hinterließ die Band bereits einen bleibenden Eindruck bei unter anderem Left of the Dial, Fifty Lab, Leffingeleuren und We Are Open. Die düstere Seite von Selivans Musik und Texten lässt sich auf ihre Kindheit in Kiew zurückführen, wo sie als Kind von Bestattern aufwuchs. Umgeben von Kummer, Verlust und Abschied entwickelte sie einen bedingungslosen Respekt vor dem Tod, der Vergänglichkeit und der Zeit. „Cult of Suffering“ ist der Niederschlag dessen, was sie mit sich getragen hat. Der Krieg zwang sie dazu, mit nichts als den Scherben eines Lebens zu gehen, das plötzlich nicht mehr existierte. In België durchlief sie eine tiefe innere Transformation: von völliger Instabilität und Isolation zu einem langsamen, anspruchsvollen Weg, der von Disziplin und einem unerschütterlichen Glauben an ihre Musik geprägt ist. Dieser Weg bildet die Grundlage dieses Albums. „Ich wandle meine Erlebnisse in Musik um, damit ich sie nicht länger in Stille tragen muss“, sagt Selivan. „Diese Songs werden zu einem Ort, an dem meine Traumata keine Wunden mehr sind, sondern Bedeutung erlangen.“ Der Albumtitel ist wörtlich gemeint. „Fast alle Songs erforschen die verschiedenen mentalen Zustände, die ein Mensch während schwieriger Zeiten durchleben kann, auch Zeiten, die ich selbst erlebt habe.“ „Cult of Suffering“ ist kein Selbstmitleid, sondern eine ehrliche Anerkennung negativer Emotionen und die Stärke, sie zu durchleben, anstatt sie zu begraben. „Lass dieses Album eine Form melancholischer Therapie sein, denn manchmal beginnt Heilung mit einem einfachen ‚Ich verstehe dich‘.“ Musikalisch spiegelt das Album diese Vielschichtigkeit wider. You and Me injiziert einem Lovesong Dreampop und Shoegaze, während Annie zwar poppig klingt (wenn auch auf the SALVIA way), aber eine tiefe persönliche Ladung trägt: Der Song begann als Hommage an eine verstorbene Freundin, wuchs jedoch zu einem Spiegel heran, in dem Selivan sich selbst wiedererkannte. Adrenaline ist ein brodelnder Höhepunkt: Der atmosphärische Reverb von The Cure und Bauhaus filtert durch eine Schicht shoegazigen Post-Punks. Slavic Soul ist ein Schlüsseltrack, in dem Selivan ihre slawischen Wurzeln offen besingt, während Petting Love and Vodka mit atmosphärischem Gothic-Indie die Tanzfläche aufsucht, der in Berliner Club-Synth-Arbeit mündet. Und dann ist da noch Rutina – ein Außenseiter, der Richtung Dark Disco und EBM tendiert –, den Selivan auf Russisch beließ. Sie schrieb ihn vor sechs Jahren am Fabrikarbeitsplatz, wo sie Plasmafernseher zusammenbaute, bevor der Krieg ausbrach und Russisch zu einer verfemten Sprache wurde. Sie hat versucht, ihn zu übersetzen, aber der Song verlor dadurch jede Bedeutung, sagt sie. SALVIA ist eine einzige Stimme, die geteilte Erfahrungen formuliert, persönlich, aber nahbar. „Cult of Suffering“ ist der Beweis dafür, dass man, selbst wenn man mit leeren Händen aufbricht, unterwegs die Bausteine für etwas Neues aufsammeln kann. Das Album erscheint am 27. November und wird am 17. Dezember im Botanique in Brüssel vorgestellt. FOR FANS OF : Siouxsie, The Haunted Youth, Warpaint
Tickets ↗ In der shou-App öffnen
Veranstaltungsort
Botanique
Koningsstr. 236, 1210 Brussels
Mehr auf shou — der tägliche Veranstaltungsguide für Belgien: Heute Abend · Dieses Wochenende · Alle Events