MAC's - Musée des Arts Contemporains de la Communauté française de Belgique, Hornu
In etwa dreißig Jahren hat Lucia Bru (1970, Brüssel) ihre Skulptur schrittweise etabliert, indem sie sie auf einen experimentellen Ansatz der Materialien (Papier, Kristall, Porzellan, Zement, Gips) gründete, bei dem Geometrie und Zufall verschmelzen, um Strukturen zu ergeben, die gleichzeitig minimal und komplex sind. Die Würfel, Käfige, Gitter, Winkel oder auch Spiegel, die ihre wichtigsten „Familien“ bilden, sind somit das empirische Produkt ihrer intentionalen Operationen und der erratischen Reaktionen der Materialien. Auf die Antworten der Materie hörend, die sie im Laufe eines kreativen Prozesses befragt, der für Unwägbarkeiten offen ist, wird die Künstlerin zur Gesprächspartnerin einer mineralischen Welt, deren Handlungsfähigkeit, Gedächtnis und erstaunliche Fluidität sie erkennt und die sie für das Organische, das Tierische und das Menschliche öffnet. Mittels Zeichnung, Fotografie und Video bemüht sich Lucia Bru auch darum, die zarte und oberflächliche Existenz eines Hauchs, einer Reflexion, einer Falte, einer Krümmung, einer Vertiefung oder eines Schattens greifbar zu machen. Ebenso ist es diese scharfe Aufmerksamkeit für den Entwurf, der von Natur aus verletzlich ist, die sie seit ihren Anfängen dazu treibt, jeden ihrer Versuche in den Regalen ihres Ateliers aufzubewahren und so im Laufe der Zeit das lebendige – und belebende – Archiv ihres eigenen Werks zu bilden. Diese Experimente, so diskret wie erstaunlich, deren Anordnung an die berühmten Test Pieces von Eva Hesse erinnert, bieten einen retrospektiven und prospektiven Blick auf das Vorgehen von Lucia Bru.