Die erste Aktivität des Kulturprogramms der ALBOOK FAIR findet in Form eines intimen Workshops statt, der von der Künstlerin Marina Mardas geleitet wird. Dieser Schreibworkshop führt die Teilnehmer in das Konzept von „Postmortem“ ein, wie es in der gleichnamigen Publikation entwickelt wurde, indem er sie einlädt, die Gegenwart als Objekt einer retrospektiven Studie zu betrachten. Durch eine Reihe geführter Übungen werden die Teilnehmer individuelle Wortgruppen produzieren, die ihre Wahrnehmung und Erfahrung der zeitgenössischen Welt widerspiegeln. Diese Beiträge werden dann kollektiv gesammelt und in einer semantischen Struktur organisiert, wodurch Kategorien und Muster organisch entstehen können. Die Sitzung führt zum Aufbau eines geteilten semantischen Baums, der eine fragmentierte, aber bedeutungsvolle Darstellung der Gegenwart bietet. Über sein formales Ergebnis hinaus schafft der Workshop einen Raum für Dialog und Reflexion und erforscht, wie individuelle Wahrnehmungen konvergieren oder sich der Konvergenz widersetzen, hin zu einem kollektiven Verständnis, das durch verschiedene soziale Positionen geprägt ist. • Marina Mardas ist eine libanesische Künstlerin der Diaspora, multidisziplinär, mit Sitz in Paris. Sie ist die Gründerin und Kuratorin von Postmortem, einer unabhängigen Papierpublikation, die Schöpfer aus der SWANA-Region und Europa zusammenbringt, um durch kreatives Schreiben, kritische Essays und bildende Kunst über die zeitgenössische Welt nachzudenken. Ihre Arbeit erforscht die Schnittstellen zwischen Sprache, Gedächtnis und Wahrnehmung und behandelt die Gegenwart oft als Analyseobjekt. In ihrer persönlichen Praxis arbeitet sie an der Schnittstelle von Sounddesign, Schreiben und visuellen Formen und entwickelt experimentelle und forschungsbasierte Ansätze, die hinterfragen, wie individuelle und kollektive Erfahrungen artikuliert und archiviert werden.