Die „Chaconne“ kennen wir als einen stattlichen Barocktanz, mit einer sich ständig wiederholenden Basslinie von vier Noten. Aber ursprünglich war sie aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Es war ein schneller, lebendiger Tanz, der aus der Kreuzbestäubung verschiedener Kulturen in den überseeischen spanischen Kolonien entstand. Die Texte waren frech, pikant oder geradezu schlüpfrig; die Tanzbewegungen suggestiv und die Musik aufpeitschend. Diese verbotenen Tänze waren zu ihrer Zeit so populär, dass man nicht verhindern konnte, dass sie selbst durch die Klostertüren hineinschlüpften. Ein treffendes Beispiel hierfür ist das siebzehnte-jahrhundertliche A la Vida Bona des katalanischen Komponisten Juan Arañés. Das Lied strotzt vor Szenen, die einem Gemälde von Jeroen Bosch entsprungen zu sein scheinen. GLoW Collective nimmt diese musikalische Form als Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise durch verschiedene Kulturen und Genres mit der zentralen Frage: Was bedeutet es für deine Identität, wenn Teile deiner Kultur verbannt, verboten oder eingefordert werden?