Seit der Erfindung des Kinos hat sich das menschliche Leben mindestens verdreifacht.“
Dieses emblematische Zitat von Yi Yi, von Edward Yang, verkörpert perfekt den Geist der Retrospektive und des Festivals L’Heure d’été TAIPEI: die Zuschauer einzuladen, weiter zu reisen, andere Existenzielles zu entdecken und Lebenserfahrungen von anderswo zu teilen.
Nach L’Heure d’été Taipei haben wir beschlossen, dieses Programm Edward Yang zu widmen, einem der größten Filmemacher des taiwanesischen Nouvelle Vague. Ob De Xiao Si, der junge Held in A Brighter Summer Day, oder Yang-Yang in Yi Yi, seine Filme werfen einen Blick von seltener Schärfe auf die Gesellschaft, ohne jemals auf die Neugier, die Sensibilität und das Staunen der Kindheit zu verzichten. Sie hinterfragen die Art und Weise, wie wir heranwachsen, lieben, scheitern und versuchen, die Welt um uns herum zu verstehen.
Doch diese Zärtlichkeit geht immer mit einer unerbittlichen Klarheit einher. Edward Yang offenbart die Brüche einer sich stark verändernden Gesellschaft, in der die Modernität die menschlichen Beziehungen transformiert. In A Confucian Confusion zeichnet er so das Porträt einer Epoche, in der alles den Gesetzen des Marktes unterworfen zu sein scheint, bis hin zu den Gefühlen selbst, und enthüllt die schrittweise Kommerzialisierung menschlicher Beziehungen.
1947 geboren, durchlebt Edward Yang die Umbrüche, die das Taiwan des 20. Jahrhunderts prägen.
Seine Kindheit ist geprägt von den Nachwirkungen des Krieges und tiefgreifenden politischen Veränderungen, bevor er zum Studium in die Vereinigten Staaten geht. Als er Anfang der 1980er Jahre in seine Heimat zurückkehrt, um sich dem Kino zu widmen, erlebt Taiwan eine Periode beispiellosen Wirtschaftswachstums. Aus diesem singulären Werdegang erwächst ein Werk, das bei der Beobachtung des Wandels einer Gesellschaft mit tiefer Menschlichkeit die Hoffnungen, Widersprüche und Enttäuschungen der Moderne hinterfragt.