Zwei Universen treffen sich in einer verstörenden Durchquerung des Körpers, des Verlangens und seiner Metamorphosen. Hybride Figuren, fließende Identitäten, tierische oder mythologische Präsenzen bilden ein Theater, in dem Schönheit ebenso hervorbricht wie sie verstört. Verstörende Fremdheit, rohe Sinnlichkeit – die Werke oszillieren zwischen Anziehung und Unbehagen und rufen Imaginationen auf, in denen die Maske zur Offenbarung wird.
Patrick Jannin
Patrick Jannin, geboren 1971, vermittelt uns durch ein reichhaltiges und vielgestaltiges Werk eine zutiefst verstörende Weltsicht oder, um Freuds Ausdruck zu verwenden, eine verstörende Fremdheit. Dieser Verehrer der Schönheit hat sich im Laufe der Jahre eine eigene, abseits von Moden und künstlerischen Strömungen gelegene Welt geschaffen, in der der Mensch, entthront und seit Anbeginn zur ewigen Hölle verdammt, neben – als wollte er, falls nötig, seine Hässlichkeit und Gemeinheit noch deutlicher machen – Geschöpfen von ergreifender Schönheit existiert: Frauen mit Tierköpfen oder Tiere mit Traumkörpern, Göttinnen direkt aus alten Mythen, die man barbarisch nannte und dann verdammte, um in den Köpfen der Menschen ein Symbol des Todes und der existenziellen Leere zu verankern, einen rachsüchtigen Gott, den lügnerischen Gott. Was die Wahrheit betrifft, findet sie sich bei diesem Maler einfach – für denjenigen, der nur die Augen für die ihn umgebende Welt öffnet – auf dem Ast des Baumes oder unter dem Gestrüpp eines Äquatorialwaldes in Gestalt des Hirsches oder des Rotkehlchens, der Hyäne oder des Zebras. All diese Tier-Symbole, all diese Totems, die die Existenz dessen markieren, der danach strebt, höher, weiter und tiefer zu gehen, und alle tragen sie dieselbe Energie in sich, alle sind schön und leuchtend, auch in ihrer Schwärze und Grausamkeit, denn so hat sie die Natur geschaffen. Also ja, so kann man das Universum von Jannin sehen: eine Welt mit drei Eingängen, in der jedes Medium (Zeichnung, Fotografie und Malerei) seine eigenen Fragen mitbringt, aber letztendlich auch DIE Antwort bringt: die Schönheit. Schönheit als Suche, Schönheit als Bollwerk gegen die den Menschen innewohnende Dummheit, Schönheit als Lichtquelle, notwendig für das Leben selbst.
Reinhard Scheibner
Reinhard Scheibner (geboren 1953 in Bamberg, lebt und arbeitet in Berlin) ist ein deutscher Künstler, der sich hauptsächlich in Malerei, Zeichnung, Collage, Skulptur, Fotografie und Video auszeichnet. Scheibners Universum ist um starke und verstörende sexuelle Szenen aufgebaut. Der Blick des Betrachters wird absichtlich getrübt, konfrontiert mit Körpern, die traditionelle Geschlechterkategorien übersteigen. Die Figuren, oft nackt oder in Ausstellungsposen dargestellt, drücken explizite und zügellose Sexualität aus. Die allgemeine Atmosphäre bleibt dunkel und verstörend. Trotz einiger lächelnder Ausdrücke bleibt ein Unbehagen bestehen, das den Betrachter in eine Position der Verletzlichkeit gegenüber diesen dominanten und selbstbewussten Figuren versetzt. Daraus ergibt sich eine starke erotische Aufladung, vermischt mit visuellen Referenzen, die manchmal verstörend wirken, wo Verlangen mit einer Form der Transgression verbunden sein kann, ein wiederkehrentes Thema in der westlichen erotischen Imagination. Letztendlich erscheint Scheibners Universum kontrastreich, oszillierend zwischen einer provokanten Ästhetik, Darstellungen marginalisierter Sexualitäten und intimen Szenen, die Identitäten und Wünsche außerhalb etablierter Normen erforschen.