Die Grenze zwischen Leben und Tod vorübergehend aufgehoben durch künstliche Intelligenz
Wie lange kann ein trauernder Ehemann imaginäre Gespräche fortsetzen? Kann künstliche Intelligenz einen Witwer und seine geliebte Frau wiedervereinen, physisch im Hier und Jetzt? Was macht Technologie mit unseren intimsten Erfahrungen?
Bildende Künstlerin Kaat Pype verlor unerwartet ihre Mutter. Aus der Bindung zu ihrem Vater und ihrer geteilten Trauer entwickelte sie ein Fotografieprojekt. Sie fotografierte ihn in den Häusern alleinstehender Frauen seiner Generation — Interieurs, in denen auch jemand vermisst wird, als ob er dort schon zwanzig Jahre wohnen würde. Regisseur Yves Degryse filmte diese Begegnungen und machte einen Making-of-Dokumentarfilm. Kaat, ihr Vater und Yves stehen zusammen mit Musiker Berlinde Deman auf der Bühne. Auf dem Podium spricht er mit seiner verstorbenen Frau. Jeden Abend aufs Neue. Jeden Abend anders.
In 'Sonder' wird die Grenze zwischen Leben und Tod vorübergehend aufgehoben durch künstliche Intelligenz. Waar Orpheus in der griechischen Mythologie die Unterwelt betritt, um seine geliebte Eurydike zurückzuholen, nutzt 'Sonder' Technologie, um die Stimme, die Anwesenheit und sogar das physische Erscheinen einer verstorbenen Frau erneut heraufzubeschwören. Die Vorstellung schiebt so eine zeitgenössische Variante eines uralten Motivs vor: den Versuch, die Toten nah zu halten.
Die Technologie in 'Sonder' ist kein Wundermittel, sondern eine Öffnung. Eine Öffnung, durch die Liebe noch kurz atmen kann, bevor die Stille sie erneut einholt.
Extra: Die Vorstellung wird um 19.15 Uhr eingeleitet.
Mit: Denis Pype, Kaat Pype, Berlinde Deman, Yves Degryse
Concept, Skript & Regie: Yves Degryse
Dramaturgie: Matthias Velle
Artistieke Mitarbeit Beyond The Spoken / Barbara Raes