Musik
(John) Coltrane 100: MiXMONK spielt John Coltranes Crescent + Raphael Roginski
Sa., 26. Sept. 2026 · 19:00
Ancienne Belgique, Brussels
€22–23
(JOHN) COLTRANE 100: HOMMAGE AN EINEN DER EINFLUSSREICHSTEN JAZZ-ERNEUERER AB, Bozar und Kaaitheater schließen sich für eine einzigartige Hommage an John Coltrane zusammen: einen der einflussreichsten Erneuerer der Jazzgeschichte. Coltrane entwickelte – notabene auf einer Erfindung belgischer Herkunft (© Adolphe Sax) – einen absolut unnachahmlichen Signature-Sound. Sein reiches Œuvre ist mittlerweile Heilig Erfgoed: “Many artists achieve greatness but very few produce work that is so moving that it’s considered sacred.” Anlässlich von Coltranes 100. Geburtstag im Jahr 2026 ehren wir sein Vermächtnis mit einer Reihe von Tanzaufführungen, Konzerten, Screenings, Vorträgen und Künstlergesprächen … 19:00-19:40 SCREENING: JOHN COLTRANE - LIVE A COMBLAIN-LA-TOUR (1965, RTBF, 38 MIN) John Coltrane trat nur einmal in Belgien auf, wenn auch nicht im Brusselse Bozar, wo so ziemlich alle Jazzikonen der damaligen Zeit – Miles Davis, Thelonious Monk of Billie Holiday – triumphierten. Coltrane glänzte jedoch im malerischen Lütticher Dorf Comblain-La-Tour. Come again? Dort fand 1959 nämlich das allererste europäische Open-Air-Festival statt, organisiert vom Veteranen des Zweiten Weltkriegs Joe Napoli (USA). Als Gegenleistung für die lokale Gastfreundschaft gründete er Jahre später eine Benefizveranstaltung – das Dach der Pfarrkirche war reparaturbedürftig – unter dem Namen Festival International du Jazz und hieß dort im Zeitraum 1959-1966 Jazzgrößen wie Chet Baker, Nina Simone und am 1. August 1965 … John Coltrane willkommen. Diese historischen Aufnahmen hielten nicht nur die einzige belgische Passage von Coltrane fest, sondern waren auch die allerletzten gefilmten Bilder des sogenannten Klassieke Kwartet van Coltrane mit Elvin Jones, McCoy Tyner und Jimmy Garrison. Die intensive und physische Aufführung – die Körperausdünstungen sind buchstäblich wahrnehmbar – zeigte eine Gruppe an einem Wendepunkt ihrer Karriere. Einige Monate später löste sich das Quartett aufgrund künstlerischer Meinungsverschiedenheiten auf. 19:50-20:00 MUSICAL PRAYER/ODE TO TRANE: ALICE COLTRANE - OHNEDARUTH (1968) Um den Ton anzugeben, hören wir uns jeden (JOHN) COLTRANE 100-Abend gemeinsam eine musikalische Ode an ‚Trane‘ an, die tief in unsere Seele schneidet. Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes debütierte Alice Coltrane mit dem Album A Monastic Trio (1968), aufgenommen in ihrem Heimstudio in Dix Hills, Long Island, New York. Die Baseline, die auf dem Cover prangte – “This music is dedicated to the mystic, Ohnedaruth, known as John Coltrane” –, machte deutlich, dass dieses Album – mit Titeln wie Gospel Trane oder I Want To See You – eine läuternde Wirkung hatte. Um ihr Monastic Trio zu vervollständigen, arbeitete sie mit Musikern aus dem inneren Kreis von John Coltrane zusammen: Saxophonist Pharoah Sanders und Bassist Jimmy Garrison (von Coltranes Klassieke Kwartet). Den spirituellen Eröffnungstrack Ohnedaruth – Sanskrit für ‚Mitgefühl‘ und zugleich der spirituelle Beiname, den John Coltrane während seiner letzten Lebensjahre trug – nahm Alice kaum sechs Monate nach dem Ableben ihres Mannes auf. Der einflussreiche Schriftsteller LeRoi Jones schrieb in den Liner Notes: “Ohnedaruth swings in actuality, because it was chanted a lot by John while working together with his group. It has John’s body in it. His carrying rhythms.” 20:00-20:45 RAPHAEL ROGINSKI Der polnische Musiker Raphael Roginski (PL) wollte von klein auf Bildhauer werden, bis die Gitarre seinen Weg kreuzte. Er übte wie besessen und erzählte einmal der polnischen Wochenzeitung Polityka, dass er seine Gitarre spielte “like wild meat, shamelessly and greedily till blood was pouring from my fingers”. Davon ist heutzutage kaum noch etwas zu merken. Das Gitarrenspiel auf seinen jüngsten Alben klingt anmutig und meditativ, mit einem Augenzwinkern zum American Primitivism. Pitchfork: “Roginski has developed a singular and unmistakable style of solo electric guitar. His playing is spare, yet his fingerpicking can make it sound like there are four hands working in tandem; it can be hard to believe that there are no overdubs.” Seine Kult-Anhängerschaft wurde durch die Neuauflage seines Albums Plays John Coltrane and Langston Hughes aus dem Jahr 2015 angeheizt. Pitchfork beschreibt dieses Werk als “Roginski’s masterpiece”. Aber wer glaubt, überhaupt Coltrane-Klassiker wie Naima, Mr. PC oder Countdown – alle aus Giant Steps, dem ersten Album von Coltrane mit eigenen Kompositionen – oder Blue Train zu erkennen, der irrt. Pitchfork: “It would take an Olympic leap of imagination” oder “In some cases, even the tonal connection is as tenuous as spider’s silk”. Was Wat Roginskis Interpretationen natürlich umso einzigartiger macht. Herrlich, denn (JOHN) COLTRANE 100 sucht nicht nach Copycats, sondern nach Erneuerern, die den Pfad von Coltrane weiter erkunden. JOHN COLTRANE - CRESCENT (IMPULSE! A-66, 1964) 1961 schrieb das führende amerikanische Jazzmagazin DownBeat eine vernichtende Konzertrezension über John Coltrane (mit Eric Dolphy an seiner Seite). Criticus John Tynan: “I listened to a horrifying demonstration of what appears to be a growing anti-jazz trend exemplified by these foremost proponents of what is termed avant-garde music. I heard nihilistic exercises of the two horns .… Coltrane and Dolphy seem intent on deliberately destroying [swing].” Dieser ‚schwierige‘ Ruf verfolgt Coltrane bis heute. Und das, obwohl sein Œuvre eine Reihe von Alben voller lindernder Schönheit enthält. Denken Sie nur an das wunderschöne Ballads (1963), seine Zusammenarbeiten u.a. Baritonsänger Johnny Hartman (1963) oder Legende Duke Ellington (1963) sowie diese verborgene Perle aus seinem Œuvre: Crescent aus 1964. Die Veröffentlichung von Crescent wurde jedoch sofort von Coltranes Magnum Opus A Love Supreme überschattet, das kaum sechs Monate später erschien. All About Jazz: “Coming so close in the Coltrane chronology to A Love Supreme, Crescent tends to get lost in the slipstream.” Jazz Desk: “Crescent is of equal importance even if it has become somewhat overshadowed by the following masterpiece: A Love Supreme.” Onder Coltrane-Liebhaber betrachten Crescent als ein hidden gem. (John) Coltrane 100 rückt daher bewusst Crescent in den Mittelpunkt in einem Remake von … 21:00-22:30 MiXMONK SUPREME PLAYS JOHN COLTRANE’S CRESCENT (1964) MiXMONK Supreme (BE/USA) ist immer noch das unvergleichliche Trio des amerikanischen Schlagzeugers Joey Baron (siehe u.a. John Zorns Masada), Pianist Bram De Looze und Saxophonist Robin Verheyen (u.a. 1/4 TaxiWars mit Tom Barman an seiner Seite oder kürzlich noch in AB mit Drew Gress und Billy Hart). Auf Wunsch von AB interpretiert MiXMONK Supreme Crescent neu, oder auch “Coltrane's criminally underrated record” (Everything Jazz) sowie “Coltrane’s most melancholy record” (Penguin Guide to Jazz). Terwijl Coltrane das Album mit seinem renommierten Klassieke Kwartet aufnahm, geht MiXMONK Supreme es in Trioform an. MiXMONK Supreme zieht das Ganze noch weiter auf und ehrt auch das Werk von Pianist Thelonious Monk, der von unermesslichem Einfluss auf Coltrane war, wie er selbst 1960 in DownBeat erklärte: “Working with Monk brought me close to a musical architect of the highest order I felt I learned from him in every way - through the senses, theoretically, technically. I would talk to Monk about musical problems, and he would sit at the piano and show me the answers just by playing them.” Hoewel John Coltranes Crescent und Thelonious Monk bilden das historische Rückgrat dieses Projekts, während MiXMONK Supreme gleichzeitig neue eigene Werke präsentiert. Ihre eigenen Kompositionen ehren die Wurzeln des Jazz und reichen gleichzeitig der Zukunft die Hand. Line-up: Robin Verheyen: Saxophon Joey Baron: Schlagzeug Bram de Looze: Klavier
Veranstaltungsort
Ancienne Belgique
Anspachlaan 110, 1000 Brussels