Brüssel, meine Schöne… und meine schönen Widersprüche. Hier lebe ich, hier liebe ich, und hier versuche ich immer noch, dieses seltsame Tier zu verstehen, das man Identität nennt. Seit siebenundfünfzig Jahren versuche ich, darauf zu antworten. Und vor allem, darüber zu lachen. Denn wenn man sich zu lange im Spiegel betrachtet, sieht man am Ende nicht mehr, was aus einem geworden ist.
Am 25. und 27. August werde ich meine Koffer im Théâtre Le Public abstellen, mit einer Lesung-Show, bei der ich mit unseren Gewissheiten spiele, wie man mit Streichhölzern jongliert: zwischen Lachen und Verbrennungen. Ich erforsche dort unsere vielfältigen Identitäten, unsere absurden Loyalitäten und unseren Nationalsport: die Verleugnung. Denn wenn man sich weigert, etwas zu sehen, versteht man am Ende gar nichts mehr.
Ich wurde als Sohn eines marokkanischen Tirailleurs geboren und wurde zu einem zerrissenen Belgier. Bei mir zu Hause glichen Familienessen NATO-Gipfeln: viel Lärm, wenig Zuhören und Teller als Argumente. Ich bin in diesem Identitätsbrei aufgewachsen, diesem Labor der Menschheit, in dem Hass, aber auch Versöhnungen entstehen.
Heute schwenkt jeder seine Identität wie eine Treuekarte. Manche sammeln Punkte, andere Dogmen. Aber die Treue zu sich selbst? Äußerst selten. Fast subversiv.
Ich predige nichts. Ich erforsche, ich zweifle, ich amüsiere mich über unsere Extreme, weil sie es nicht ertragen, wenn man lacht. Ich spreche über Antisemitismus, Rassismus, Religion, Politik, meine Liebe zur französischen Sprache und alles, was brennt, ohne jemals das Licht auszumachen.
„L’Éloge de l’Impureté“ ist meine Art, Klischees zu demontieren, wie man eine Bombe entschärft: mit bloßen Händen und mit Worten. Und dann muss man zugeben: Nichts ist jemals ganz rein, außer vielleicht die Dummheit, sie verdünnt sich nie. Aber angesichts dieses Konzentrats aus reiner Dummheit bleiben uns noch einige Waffen der massiven Konstruktion: das Wort, das Lachen und dieses zerbrechliche Band, das uns zu Menschen macht.
Also, kommen Sie und lachen Sie, bevor es zu spät ist.
Denn wenn „Lachen entwaffnet, Entrüstung das Feuer wieder entfacht“, versuche ich, beides gleichzeitig zu tun.
Sam Touzani, Schauspieler und Autor
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Von: Sam Touzani / Mit: Sam Touzani