AMVB - Archives and Museum of Flemish Life in Brussels, Brussels
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Diesen Sommer stellt das AMVB erneut die Ausstellung Lichtpunt de Joris Sleebus in den Mittelpunkt. Eine Wahl, die alles andere als belanglos ist, denn die Geschichte der verschwundenen Wandmalereien im Viertel Nord de Bruxelles ist heute von erstaunlicher Aktualität. Während sich die Umgebung von Brüssel-Nord durch Abrissarbeiten, Stadterneuerung und eine sich wandelnde Stadtlandschaft erneut verändert, blickt Lichtpunt auf einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte des Viertels zurück. Die Ausstellung wurde bereits 2022 im AMVB präsentiert und reiste anschließend durch Brüssel. Sie ist diesen Sommer vom Donnerstag, den 18. Juni 2026, bis Mittwoch, den 12. August, zu sehen.
Démolition
Collection: Joris Sleebus
Entre 1977 und 1980 wurde das Nordviertel durch den Plan Manhattan tiefgreifend verändert. Wohnblöcke verschwanden, Bewohner mussten gehen und ganze Straßenzüge blieben leer, in Erwartung neuer Bürogebäude. Was blieb, war ein Viertel aus verfallenen Gebäuden, Brachflächen und Unsicherheiten. In diesem Kontext entstand ein besonderes künstlerisches und soziales Projekt: 22 monumentale Wandmalereien wurden auf Fassaden im ganzen Viertel realisiert.
Künstler, Bewohner und Freiwillige brachten Farbe an Orte, die immer grauer und stiller geworden waren. Diese Wandbilder waren weit mehr als dekorativ. Sie erzählten die Geschichte des Viertels, geprägt von Verlust und Veränderung, aber auch von Solidarität, Widerstand und Vorstellungskraft. Einige Werke waren verspielt und farbenfroh, andere offen sozialkritisch. Zusammen bildeten sie ein temporäres Freilichtmuseum in einem Viertel, das im Verschwinden begriffen war.
Mit über 5.000 Quadratmetern bemalter Wandfläche wurde das Projekt zu einer der größten Wandmalerei-Initiativen in Europa. Heute sind die Werke verschwunden, aber ihre Geschichte wurde durch Fotografien, Archive, Zeitzeugenberichte und Dokumentationen bewahrt.
Dans Lichtpunt, das AMVB versammelt diese Geschichte erneut. Die Ausstellung präsentiert nicht nur die beeindruckenden Bilder der Wandmalereien, sondern bettet sie auch in den breiteren Kontext der Stadtentwicklung, der Proteste der Bewohner und des Lebens im Nordviertel in den 1970er Jahren ein. Man entdeckt, wie Künstler und Bewohner gemeinsam auf ein Viertel im Wandel reagierten und wie Kunst vorübergehend eine Form von Präsenz, Sichtbarkeit und Hoffnung bieten konnte.
Das macht die Ausstellung heute besonders relevant. Die Umgebung von Brüssel-Nord unterliegt erneut tiefgreifenden Veränderungen. Alte Gebäude verschwinden, neue Projekte entstehen und die Debatten über die Zukunft des Viertels flammen wieder auf. Lichtpunt lädt dazu ein, bei dieser ständigen Bewegung der Stadt innezuhalten und sich zu fragen, welche Geschichten sichtbar bleiben und welche zu verschwinden drohen.
Diesen Sommer gibt das AMVB diesem vergessenen Kapitel der Brüsseler Geschichte wieder einen Platz. Durch Führungen, eine Projektpräsentation und einen Kulturerbe-Spaziergang, der von der Abteilung für Kulturerbe der Stadt Brüssel durchgeführt wird, wird dieses Projekt wieder ins Licht gerückt.