Lasse Vonck wurde als junger Künstler von Presse und Publikum zum Wunderkind ausgerufen und bejubelt. Dreißig Jahre später ist das nicht mehr der Fall. Dass die Menschen ihn mit den Jahren vergessen haben, findet er ein zu tragendes Schicksal, aber er ist auf der Suche; er sucht ein Ziel, Sinn. An einem Frühlingstag ohne Glanz ist Lasse beim Erwachen derart von sich selbst entfremdet, dass er nicht mehr genau weiß, wer er ist. Er kann sogar nicht mehr sprechen.
Ich habe echt nichts mit Autos
aber ich hatte einen seltsamen Traum
hat mich lange beschäftigt
es geht um einen
- wie sagt man das -
einen Familienwagen
Ich bin neun Jahre
und meine Mutter und ich schauen aus dem Fenster
Wir sehen einen stark muskulösen Mann im Unterhemd
der eins nach dem anderen
alle vier Reifen
vom weißen Citroën BX
meines Vaters demontiert
danach holt er einen Vorschlaghammer raus
und schlägt alle Scheiben in Scherben
zerreißt fröhlich alle Sitze
- vorne und hinten -
in Fetzen
reißt das Autoradio raus
bricht die Seitenspiegel ab
zieht das Lenkrad raus
und meine Mutter schaut zu
und sie tut nichts
und ich laufe nach draußen
der Mann in seinem Unterhemd ist - puff - aufgelöst
und ich will rufen
ich will schreien
aber es gelingt mir nicht
es gelingt mir schon wieder nicht
für mich selbst einstehen
warum ist das so schwer
und ich schaue auf das, was vom Citroën übrig bleibt
ich sehe das Plätzchen, wo ich immer saß
als wir in den Urlaub aufbrachen
In der Mitte des Rücksitzes
so ein bisschen nach vorne
zwischen meinem Vater und meiner Mutter
Ellbogen auf der Seite ihrer Sitze
und ich darf das Kassettchen aussuchen, um es in das Autoradio zu stecken
‚lieber kleiner Piranha
zerreiß mich‘
Confessie ist inspiriert von der zeit- und widerhallslosen Geschichte De Gedaanteverwisseling van Franz Kafka. Es zeichnet ein Porträt des Menschen als stiller Protest. Es ist ein neuer Theatertext von Raven Ruell, geschrieben für und gespielt von Bruno Vanden Broecke. Beide machen zusammen schon seit 25 Jahren Vorstellungen, darunter Missie (2007), Para (2016) und Klink (2023).