Wenige vermuten, dass sich versteckt zwischen einer Eisenbahnlinie und ruhigen Wohnstraßen in Ukkel einer der faszinierendsten Erbe-Orte Brüssels befindet. Angelegt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, spiegelt der Friedhof von Dieweg die Art und Weise wider, wie das Bürgertum damals mit Tod, Erinnerung und Status umging. Seit der Schließung im Jahr 1958 wurde das Gelände langsam von der Natur übernommen, was ihm eine fast romantische und melancholische Atmosphäre verleiht. Der Friedhof ist dadurch zugleich Erbe, Landschaft und Freilichtmuseum, wo Verfall und Schönheit Hand in Hand gehen. Der Friedhof der Generäle und Künstler Dieweg wird oft als der Friedhof der Generäle bezeichnet, kann aber ebenso gut als literarischer und künstlerischer Friedhof gesehen werden. Zahlreiche hohe Offiziere aus dem 19. Jahrhundert fanden hier ihre letzte Ruhestätte, was den bürgerlich-militärischen Charakter des Friedhofs erklärt. Gleichzeitig liegen hier prominente Figuren des kulturellen Lebens begraben, darunter Hergé, der geistige Vater von Tim und Struppi, aber auch der Schriftsteller Eugène Demolder und der Architekt Paul Hankar, ein Pionier des Brüsseler Jugendstils. Was Wat Dieweg architektonisch und landschaftlich so besonders macht, ist der Reichtum an Grabdenkmälern innerhalb eines parkartigen Ganzen. Neoklassizistische Gräber, neugotische Grabkapellen und Jugendstil-Details wechseln sich entlang gewundener Pfade und auf verschiedenen Höhen ab, wodurch der Friedhof wie eine kleine Stadt gelesen werden kann. Der üppige Bewuchs von Bäumen, Efeu und Moos mildert die monumentale Architektur und verstärkt die Atmosphäre der Stille und des Verfalls. Während des Spaziergangs wird der Friedhof, seit 1997 geschütztes Erbe, als eine seltene Verschmelzung von Architektur, Landschaft und Stadtgeschichte sichtbar.