Die dreizehnjährige Marcielle lebt mit ihren Eltern und zwei jüngeren Schwestern an den Flussufern auf der Insel Marajó im Amazonas-Regenwald. Sie leben dort in Hütten auf Stelzen. Sie geht mit ihrem Vater jagen, hilft im Haushalt, spielt mit ihrer kleinen Schwester (manas = Schwestern) und geht in die Dorfschule. Es wird schnell deutlich, dass die häusliche Situation von Marcielle nicht ideal ist. Sie hält an der Idee fest, dass ihre ältere Schwester ein besseres Leben bei einem Mann auf den Binnenschiffen gefunden hat, die oft an der Insel vorbeifahren. Ein Leben weit weg von ihrer aussichtslosen Realität. Während sie versucht, in die Fußstapfen ihrer Schwester zu treten, zerbricht ihr Traum allmählich. Trotz der intensiven Geschichte wird das Drama, das unter anderem den Regiepreis bei den Filmfestspielen von Venedig (2024) gewann, fast dokumentarisch, ruhig und ohne Zugabe von Musik erzählt. Vögel singen ihr Lied im Dschungel, Kinder spielen leise zwitschernd und das Wasser plätschert friedlich – aber dieser Rahmen ist geradezu tückisch. Anfangs wollte Marianna Brennand einen Dokumentarfilm über das Leben von Frauen in abgelegenen Gemeinschaften im Braziliaanse Amazone machen. Orte, an denen die #MeToo-Bewegung unbekannt ist und an denen Frauen unter dem Deckmantel von Traditionen und religiösen Überzeugungen unterdrückt werden und fürs Leben gezeichnet werden. Ihre Entscheidung für einen fiktionalen Ansatz erweist sich als eindringlich und glaubwürdig, mit einer Besetzung, die komplexe Emotionen spürbar macht und nirgendwo in Sentimentalität abgleitet. Der Film ist eine Koproduktion von Walter Salles und den Brüdern Dardenne. „Manas“ ist ein eindringliches Porträt über Unterdrückung und Resilienz. Brasilien, Portugal 2024 Regie: Marianna Brennand Besetzung : Jamilli Correa, Fátima Macedo, Rômulo Braga, Dira Paes, Samira Eloá, Enzo Maia, Emily Pantoja, Gabriel Rodrigues Genre: Drama Dauer: 1 Stunde 41 Min. Gesprochene Sprache: Portugiesisch