Mit einer Dauer von fast einer Stunde ist The Sacred Veil der umfangreichste und vor allem intensivste Chorzyklus von Eric Whitacre. Wie für viele seiner Kompositionen hat Whitacre seinen Jugendfreund und Stammdichter Charles Anthony Silvestri für den Text herangezogen. In einem Gedicht von ergreifender Intimität zeichnet dieser den Tod seiner Ehefrau Julie nach: ihren langen Kampf, den Wirbelsturm an Emotionen, der ihn begleitete, und den unvermeidlichen Augenblick ihres Todes. „Es ist die intensivste persönliche Poesie, die ich jemals geschrieben habe“, hat Silvestri selbst erklärt. Im finalen Text verwebt er seine eigene Poesie mit Fragmenten und Zitaten von Julie und Eric Whitacre. Dennoch gelingt es dem Werk, das Persönliche zu transzendieren: der Text, getragen von der herzzerreißenden Musik von Whitacre, wird zu einer universellen Reflexion über das Leben und seine Sinnlosigkeit. Das Ganze erforscht die Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen dem unsagbaren Schmerz des Abschieds und der Dankbarkeit für das, was war. Der lange Weg zur Akzeptanz ist sowohl in die Worte als auch in die Musik eingraviert.