Roberto Zucco
Collectif 13 / Bernard-Marie Koltès
+ 13 Jahre
In einer Inszenierung, die nicht versucht, Roberto Zucco zu erklären oder ihn auf einen klinischen Fall zu reduzieren, widmet sich Rose Noël der Aufgabe, die Kraft des Textes von Koltès hörbar zu machen, seine Gewalt, seine Poesie und seine Fähigkeit, eine Tatsachenmeldung in einen zeitgenössischen Mythos zu verwandeln.
Roberto Zucco nimmt einen einzigartigen Platz im Werk von Bernard-Marie Koltès ein: das Stück ist eines der ersten, das eine zeitgenössische Tatsachenmeldung so frontal auf die Theaterbühne bringt. Indem er sich von der wahren Geschichte von Roberto Succo inspirieren lässt, einem italienischen Serienmörder, dessen Flucht die 1980er Jahre prägte, versucht Koltès nicht, einen Kriminalfall zu rekonstruieren. Er verwandelt das Reale in eine Fabel, die Tatsachenmeldung in eine moderne Tragödie.
Eines Nachts entkommt Roberto Zucco aus dem Gefängnis, in dem er wegen des Mordes an seinem Vater inhaftiert war. Dann beginnt eine schwindelerregende Flucht, gesäumt von Begegnungen, die im Hohlraum eine unmögliche Identitätssuche zeichnen. Gejagt von den Inspektoren, beobachtet, kommentiert, fantasiert, fasziniert Zucco ebenso sehr, wie er erschreckt. Sein Engelgesicht verwirrt diejenigen, die ihn kreuzen: wie kann ein Junge, der so schön ist, so handeln?
Ausgehend von dieser kriminellen Figur erforscht Koltès den dunklen Teil, der in jedem von uns schlummert. Das Stück hinterfragt unser Verhältnis zur Gewalt, zur Freiheit, zum Verlangen, aber auch den Platz, den jeder in der Gesellschaft zu finden versucht. Getragen von einer poetischen und rohen Sprache, taucht dieses zeitgenössische Epos in das Herz unserer Widersprüche ein: zwischen Angst und Faszination, Ablehnung und Anziehung, dem Bedürfnis zu verstehen und Schwindel angesichts des Unerklärlichen.
Die Inszenierung und der Text gehen über die bloße Tatsachenmeldung hinaus, um universellere Einsätze zu erreichen. Eine immersive Erfahrung, bei der das Publikum eingeladen ist, sich seinen eigenen Fragen zu stellen, und beleuchtet die Art und Weise, wie die Welt die Wahrheiten, die stören, herstellt, versteckt oder verzerrt.
Credits:
Natalia Bacalov / Lola Blanchard / Simon Cohen / Laurence Côte / Suzanne oder Mélie Torrell / Maxime Gleizes oder Thomas Rio / Axel Granberger / Akrem Hamdi / Rose Noël / Martin Sevrin
Mise in Szene Rose Noël
Collaboration künstlerisch Simon Cohen
Collaboration künstlerisch Simon Cohen
Création musikalisch Natalia Bacalov / Martin Sevrin
Lumieres Enzo Cescatti
Scenografie Mathilde Juillard
Son Mateo Esnault / Tom Beauseigneur
Costumes Cloe Robin
Surtitrage Video Katell Paugam
Soutiens Studio ESCA / Centre Culturel Jean Vilar