Das Verb „Lounge“ bezeichnet das entspannte Sitzen oder Liegen. Als Substantiv verweist es auf einen öffentlichen Raum, der der Entspannung gewidmet ist. „Lounge“ ist also zugleich eine Handlung und ein Ort, ein Raum, den man gestalten, bewohnen und genießen kann. Diese Doppelnatur von Ruhe, Warten, Bewegung und dem durch Bewegung Angetriebensein steht im Mittelpunkt dieses Stücks. LOUNGE ist ein Duett für zwei Körper, die sich als Frauen identifizieren und sich gemeinsam bewegen, wobei sie Phasen aktiver und passiver Ruhe abwechseln. Diese Körper nutzen ihre gegenseitige Präsenz, um tiefer in sich selbst einzutauchen und die Atmosphäre in sich aufzunehmen. Der Begriff des „unsichtbaren Lapdance“ wird während des gesamten Stücks hervorgehoben. Es handelt sich um einen Tanz, der aus nahezu unmerklichen Bewegungen besteht, die den Blick mobilisieren, um die Grenzen zwischen der gebenden und der empfangenden Person zu verwischen. Indem es auf Erotik und Formen der Komplizenschaft setzt, verwandelt sich das durch Entspannung gewonnene Wohlbefinden in eine aktive Bejahung der Weiblichkeit. • Marga Alfeirão (Lissabon, 1994) nutzt verschiedene Medien, um sichere Räume zu schaffen, in denen Intimität und Sexualität durch Tanz und Performance erkundet werden können. Tief beeinflusst von den Tanzgenres und Klangtexturen der afrikanischen Diaspora, die sich im sozialen Gefüge Lissabons verbreitet haben, versucht Alfeirão, sich Weiblichkeit aktiv anzueignen, indem sie einen Raum schafft, der Formen weiblicher Sinnlichkeit aus einer weiblichen Perspektive willkommen heißt. Lounge (2023) gewann den [8:tension] Young Choreographers Award. Im selben Jahr schuf sie No Biggie Deal, ein Solo über Notorious B.I.G., den Rapper aus Brooklyn, das aus einer Mischung aus Sensationalismus und Nostalgie entstand und die Frage aufwarf: Ist Biggie bisexuell? Ihr erstes kollektives Werk, no c o r a ç ã o dela, wurde im vergangenen Dezember in Zusammenarbeit mit einem Team von acht Künstlern in den Sophiensaelen in Berlin uraufgeführt.