Vom Treppenabsatz seiner Apotheke in der Zuidzandstraat blickt Karel De Wolf jeden Tag auf den Bahnhof von Brügge (auf ’t Zand), den er „falsche Kunst“ nennt. Auch der Bahnhofsplatz mit seinen stattlichen Hotels ist für den Apotheker & Volkskundler ein Dorn im Auge: „Von den 1840er bis 1890er Jahren hat das katastrophale Brügge eine der größten Plagen erlebt ... eine Flut von Dummköpfen, die die Leidenschaft hatten, abzureißen, zuzuschütten und zu überwölben.“ Aber auch wenn es viele Jahre später, 1936, einen neuen Bahnhof außerhalb von Brügge gibt, poltert Karel De Wolf: „Der Fremde, der zum ersten Mal nach Brügge kommt und seinen Kopf aus dem Bahnhof steckt, sagt sicherlich zu sich selbst: - Sapperlot! Ich bin reingefallen! Und das ist Brügge? ... Es ist alles Stil Gips-Back-Neunzehntes Jahrhundert!“ Neunzig Jahre später starten wir an der Apotheke „De Cleynen Thems“ zu einem Spaziergang mit Erzähler Frank Slabbynck von den Brugs Vertelcollectief De Op-Lichters. Anhand von Dutzenden Fotos aus der Brugse Beeldbank begeben wir uns auf die Suche nach der Welt von Karel De Wolf: der Bahnhof, das „Gatje van de Capucientjes“, das Schlachthaus, die Schranke an der Smedenstraat, die unzähligen Gasthäuser und natürlich das „Brugsch“-Volk, über das Karel so saftig geschrieben hat. In Zusammenarbeit mit Vertelcollectief De Op-Lichters Begleiter: Frank Slabbynck