NAZA von Yuval Abraham und Rachel Szor, zwei der Macher der Oscar-prämierten Dokumentation No Other Land, ist ein aufschlussreicher Film über die Systeme hinter den massiven zivilen Todesfällen in Gaza. Auf den Dächern von Tel Aviv, fernab des Kriegsgebiets, führen israelische Soldaten nachts geheime Gespräche. Schritt für Schritt wird sichtbar, wie innerhalb des Militärs und der Geheimdienste bestimmt wird, wer ein Ziel ist, welche Technologien und Verfahren dabei eingesetzt werden und wie viele zivile Opfer ein Angriff kosten darf. Dutzende bis manchmal Hunderte palästinensische Zivilisten können dabei als annehmbarer Preis für die Ausschaltung eines einzigen Ziels betrachtet werden. Der Film stellt damit die schmerzhafte Frage: Wie kann das Töten unschuldiger Zivilisten innerhalb eines militärischen Apparats so normalisiert werden, dass es nicht länger als moralisches oder rechtliches Problem angesehen wird? Der Titel verweist auf Nezek Agavi, „Kollateralschaden“, den israelischen Militärbegriff für die erwartete Anzahl ziviler Opfer eines Luftangriffs. Der Begriff steht damit symbolisch für die Entmenschlichung, die tief in das System eingebacken ist: Zivile Todesfälle sind kein tragischer Nebeneffekt, sondern ein vorgesehener und akzeptierter Bestandteil militärischer Operationen. NAZA feierte seine Premiere beim Filmfestival van Venetië, wo der Film den Special Jury Prize gewann.