Seit 2022 lädt Art Anderlecht dazu ein, die Gemeinde auf andere Weise zu entdecken, durch ihre Workshops, unabhängigen Räume und künstlerischen Initiativen. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad zeichnet der Rundgang eine menschengerechte Kartografie eines Ökosystems aus Orten, Begegnungen, Freundschaften und Kooperationen nach.
Parallel zur Brüsseler Kunstwoche schlägt Art Anderlecht einen Schritt zur Seite vor, eine andere Art sich fortzubewegen, zu schauen und sich zu begegnen. Vernissagen, Workshops, Führungen und Abende prägen den Weg, alles Gelegenheiten, um zu entdecken, was hier entsteht.
Für diese neue Ausgabe haben wir uns entschieden, das zu betrachten, was sich zwischen den Orten, zwischen den Projekten, zwischen dem, was gezeigt wird, und dem, was sie existieren lässt, befindet. Die Verbindungen, die geknüpft werden, die Ressourcen, die wir teilen, die Räume, die wir öffnen, und die Kooperationen, die Projekte entstehen lassen. Denn eine Kunstszene baut sich nicht nur in ihren Ausstellungen auf, sondern auch in allem, was ihnen vorausgeht, sie begleitet und sie verlängert.
Diese Aufmerksamkeit für Verbindungen durchzieht das diesjährige Programm, in dem künstlerische Praktiken, Erzählungen, Wissen und Ressourcen aufeinandertreffen und zirkulieren – von der kollektiven Herstellung bis zur Erkundung des Territoriums.
Diese Projekte erzählen keine einzelne Geschichte, sondern lassen dieselbe Intuition hervortreten: Was zählt, ist nicht immer dort, wo man hinschaut. Manche Praktiken sind flüchtig, manche Räume existieren nur für die Dauer einer Veranstaltung, manche Geschichten bleiben verborgen, manche Verbindungen werden erst in dem Moment sichtbar, in dem sie aktiviert werden.
Genau dort verorten wir das Gemeingut, in den Gesten, die ein Milieu lebendig machen: empfangen, zusammenarbeiten, Sorge tragen. Verbindungen, die manchmal diskret oder prekär sind, aber für das künstlerische Leben unerlässlich. Und wenn das Gemeingut es ermöglicht durchzuhalten, ermöglicht es auch sich zu freuen. Das Fest, die Vernissage, die Begegnung oder der Abend tragen voll und ganz zu diesem kollektiven Leben bei, sie stiften Verbindung, erzeugen Erinnerung und wecken die Lust, zusammen zu bleiben.
Unsere Rolle als Kuratorinnen und Moderatorinnen ist es, diese Zirkulationen zu begleiten, die Erzählungen zu verknüpfen und die Beziehungen sichtbar zu machen, die die Orte durchqueren. Art Anderlecht wird so mehr als nur ein Ausstellungsrundgang, es wird zu einer Durchquerung eines Territoriums und seiner vielfältigen Geschichten, seiner sichtbaren und unsichtbaren Räume, seiner festen und flüchtigen Nutzungen. Wir laden Sie ein zu entdecken, was in Anderlecht entsteht, sich ein wenig auf seinen Schleichwegen zu verlieren und vor allem all jene zu feiern, die es gemeinsam möglich machen.