Überleben, Marie Darah weiß, was das bedeutet. Sie lässt es uns mit Depuis que tu n’as pas tiré frontal spüren. Weil sie das Leben liebt und seine Konsistenz kennt, gleicht ihr Slam einem langen nächtlichen Gedicht, in dem man den Tod streift.
Es ist eine Erzählung, ein Gesang, der eines nächtlichen Umherirrens im Herzen von Brüssel. Wettbewerbsdichterin, Europameisterin im Slam, Marie Darah muss man nicht mehr vorstellen. Begleitet von der Musikerin Cloé du Trèfle, die für das Stück eine elektronische Musik mit rhythmischen und quälenden Texturen komponiert, wirft sie einen geschärften Blick auf die Stadt, ihre sozialen Realitäten und ihre Codes. Ausgehend von einer gelebten Erfahrung erzählt uns die Autorin von ihrer letzten Stunde, in einem Epos aus Worten und Klängen, deren Farben und Landschaften sich ständig verändern. Es ist zugleich ein Slam, eine Erzählung, Theater, ein Gedicht, ein Fragment eines erweiterten Lebens.
Wenn man zwischen den Worten und dem Atem, den Schrammen und den Schattenseiten zuhört, nimmt man auch die verrückte Energie eines Lebensimpulses wahr, der dem Determinismus und der sozialen Ungerechtigkeit entrissen wurde. Es ist ein poetisches und zärtliches Duo, das uns die Hand reicht, um gemeinsam die Nacht zu durchqueren und bei Tagesanbruch lebend herauszukommen.
Marie Darah ist Slam-Meisterin von Belgien und Europa, 2021.
Depuis que tu n’as pas tiré – Espiègle de théâtre en langue française 2024 und Prix SACD Spectacle vivant 2025.