Die langjährige Zusammenarbeit zwischen Lucy Wilke und Sahar Rahimi basiert auf einem gemeinsamen Interesse an marginalisierten weiblichen Figuren, den Themen Behinderung und Macht sowie Body-Horror-Filmen. In ihrer vierten gemeinsamen Produktion erforschen sie die Themen Schwangerschaft, Geburt, Mutterschaft und Kinderwunsch. Inspiriert und zugleich abgestoßen von ihren eigenen Erfahrungen, wenden sich Rahimi und Wilke posthumanistischen Utopien zu, in denen Menschen außerhalb des menschlichen Körpers und damit außerhalb der Gebärmutter gezeugt werden – ein Thema, das so alt ist wie die Menschheit selbst. Da Experimente an Schafen bereits teilweise erfolgreich die Funktion der Gebärmutter nachgebildet haben, könnte ein uraltes mythologisches Thema bald Realität werden. Welche Konsequenzen haben diese Entwicklungen für die Ethik und die Geschlechterrollen? Könnten Schwangerschaft und Geburt außerhalb des menschlichen Körpers den weiblichen* Körper endlich von der Last der Fortpflanzung befreien und somit einen Schritt in Richtung Geschlechtergleichstellung darstellen? Hätten Menschen, denen bisher die Elternschaft verwehrt blieb, endlich die Möglichkeit, eine Familie zu gründen? Oder würden künstliche Gebärmütter den Frauen* das letzte Bollwerk rauben, das noch nicht von einem patriarchal-kapitalistischen Wertesystem vereinnahmt wurde: die Fähigkeit, Leben zu gebären? Inspiriert von Horrorfilmen und Operationssälen ist Lulu’s Baby eine ironische und utopische Zukunftsvision, die uns dazu einlädt, spielerisch und durch ebenso verstörende wie faszinierende Bilder über die Möglichkeiten einer Gemeinschaft jenseits von Geschlechterzwängen und mütterlichen Rollen nachzudenken. • Lucy Wilke ist eine preisgekrönte Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin mit Wohnsitz in München. Seit 2020 gehört sie zum Ensemble des Münchner Kammerspiele und ist bekannt für ihre visionären und Body-Positive-Performances. Ihre Arbeit, insbesondere das hochgelobte Stück Scores that shaped our Friendship, brachte ihr den prestigeträchtigen Der Faust-Preis und eine Einladung zum Berliner Theatertreffen ein. Zudem tourt sie mit ihrer Band blind and lame durch Europa. • Sahar Rahimi (geboren 1981 in Teheran, Iran) ist Regisseurin, Autorin, Performancekünstlerin und Kuratorin. Ihre Arbeit überschreitet die Grenzen zwischen Theater, Performance, Installation und Video. Sie studierte am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und ist Mitbegründerin der Performance-Gruppe Monster Truck, die für ihr Gesamtwerk mit dem renommierten Tabori-Preis ausgezeichnet wurde. Als Solokünstlerin hat Sahar Rahimi zahlreiche Produktionen auf Bühnen in ganz Europa präsentiert. Sie leitet künstlerisch das Festival Brecht in Augsburg gemeinsam mit Mark Schröppel.