Am 12. Januar 2010 erschüttert ein schreckliches Erdbeben das Leben von Renette Désir für immer. Während Port-au-Prince im Chaos versinkt, findet sich die junge Studentin unter den Trümmern ihrer eingestürzten Universität begraben wieder. Sie wird erst am nächsten Tag gerettet. Die Freundin, die an ihrer Seite war, überlebt leider nicht. Aus dieser Prüfung entsteht eine kraftvolle Botschaft der Hoffnung, der Resilienz und der Solidarität, die bis heute in ihrer Musik nachhallt.\n\nKurz nach dem Erdbeben bittet das haitianische Kulturministerium sie, ein Lied zu Ehren der zahlreichen Opfer der Katastrophe zu interpretieren. Mit dem berühmten Komponisten Pierre Rigaud Chéry nimmt sie Yon Ti Chante auf, eines der ersten Lieder, die nach dem Drama entstanden sind. Dieses Werk wird schnell zum Symbol eines Volkes, das trotz Schmerz und Verlust die Kraft findet, wieder aufzustehen und neu aufzubauen.\n\nHeute zählt Renette Désir zu den authentischsten und fesselndsten Stimmen Haitis. Geboren in Port-au-Prince in einer Familie, in der Musik einen wesentlichen Platz einnahm, hat sie sich von den Rhythmen des Compas, des Rara, des Mizik Rasin und dem reichen haitianischen Folklore-Erbe ernährt. Aus diesen Traditionen hat sie ein persönliches künstlerisches Universum entwickelt, in dem Erbe und Moderne aufeinandertreffen.\n\nMit ihrer warmen Stimme, ihrer ansteckenden Energie und ihrer natürlichen Bühnenpräsenz nimmt sie ihr Publikum mit ins Herz der haitianischen Kultur. Musik, Gesang, Erzählungen, Tänze und kreolische Wortspiele vermischen sich in einem farbenfrohen, interaktiven und emotionsreichen Spektakel. Kürzlich in Belgien niedergelassen, teilt Renette heute ihr kulturelles Erbe mit neuem Publikum.\n\nFür diese außergewöhnliche Vorstellung tritt sie im Duo mit Rodriguez Vangama auf. Der kongolesische Gitarrist, bekannt für seine Virtuosität und seine Verbundenheit mit den reichen musikalischen Traditionen Zentralafrikas, bringt in diesen musikalischen Dialog die ganze Tiefe und Eleganz seiner Kunst ein. Gemeinsam lassen sie die Klänge Haitis und Kongos in einer warmen, festlichen und zutiefst menschlichen Feier aufeinandertreffen.\n\nRATSSAAL DES GEMEINDEHAUSES VON IXELLES\nBevor er die Kulisse für die politischen Entscheidungen von Ixelles bildete, war der Pavillon Malibran der Zufluchtsort einer Diva. 1832 am Place Fernand Cocq erbaut, wurde das Gebäude als Landsitz für Maria Malibran konzipiert, eine in ganz Europa verehrte spanische Sopranistin, und ihren Ehemann, den belgischen Geiger Charles-Auguste de Bériot.\n\nDas Paar hatte nicht lange Freude daran. Maria Malibran stirbt mit achtundzwanzig Jahren, im Jahr 1836, nach einem Reitunfall. Ihre kometenhafte Karriere dauerte kaum zehn Jahre. Doch der Pavillon bewahrt die Erinnerung an diese Jahre, in denen das Paar Gäste empfing: Man gab Konzerte, man hörte Oper und Geige, man traf die musikalische Elite des Brüssels des 19. Jahrhunderts.\n\nIhr Klavier steht übrigens immer noch dort. Im Gemeindehaus von Ixelles, genau an der Stelle, an der sie es aufstellen ließ.\n\nEinige Jahrzehnte nach ihrem Tod wird das Anwesen von der Gemeinde zurückgekauft. Die Gärten, die die Villa umgaben, werden für die Öffentlichkeit zugänglich und werden zum heutigen Place Fernand Cocq. Und das Innere wird vom Architekten Jules Brunfaut veredelt, der es zu einer der schönsten Kulissen im Neo-Renaissance de Bruxelles-Stil macht: dunkle Holzarbeiten, goldene Kapitelle, skulptierte Giebel. Heute wohnen diese beeindruckenden Ornamente schweigend den Sitzungen des Gemeinderats bei. Für die Dauer eines Konzerts gibt Hide & Seek dem Pavillon seine ursprüngliche Bestimmung zurück. Der Ratssaal wird zum Konzertsaal. Und die Musik findet ihr Zuhause wieder.