Wenn ein Clown in einen Palast zieht, wird er kein Sultan. Nein, der Palast verwandelt sich in einen Zirkus. -(Türkisches Sprichwort)- Willkommen in einem Bacchanal aus ausschweifendem Reichtum und schlummernder Angst. In einem bewaffneten Bunker – gleichzeitig Palast und Freizeitpark – bereiten sich zwei exzentrische, zurückgezogene Figuren auf ein letztes Schlemmen vor, am Vorabend der Revolution. Draußen hämmert die Menge gegen die Mauern, drinnen fließt der Wein reichlich. Alles ist in Bewegung, nichts steht still. Die Musik spielt noch, aber unter dem Takt rutscht der Boden bereits weg. Theatermaker Lieselot Siddiki kreiert eine sinnliche Performance über Erben von Überfluss und Misstrauen, die sich in einer verzerrten Gegenwart festfahren. Sind es Despoten einer sterbenden Ordnung oder verlorene Seelen in Desillusion? Angst ist ihre treibende Kraft: vor Ansteckung, vor Rauschen, vor Verlust von Hierarchie, vor der Welt da draußen. Und aus Angst wächst Gewalt. SCHWEINEREI entfaltet sich als ein ausgelassener Karneval, in dem Ordnung und Hierarchie verschwinden, Masken festwachsen und Macht kippt. Was wie ein Paradies aussieht, erweist sich als ein sorgfältig inszenierter Käfig, in dem unter Pracht und Porzellan Unruhe und Paranoia brodeln, begleitet von der scheinbar leichten Musik von Mozart. Es ist eine Vorstellung über das Ende einer Weltordnung und was darauf folgt: ein Spiegel für heute, wo Übermaß und Verfall Hand in Hand gehen und die Revolution unweigerlich an die Tür klopft.