„Nuits“ ist Xenakis in seiner reinsten Form. Er kehrt zu seinen langen Nächten als politischer Gefangener zurück, erfüllt von den brutalen Schreien der Wärter und dem Geheul seiner gefolterten Zellengenossen, und entkleidet die Vokalmusik jeder bekannten Form von Sprache. „Nuits“ ist keine Erzählung, sondern eine intensive klangliche Erkundung von Dunkelheit, Angst und der rohen Kraft der menschlichen Stimme, verwurzelt in Xenakis’ persönlicher Geschichte und mathematischer Vision.
Pour Serment, basierend auf dem hippokratischen Eid, webt Xenakis einen farbenfrohen Teppich aus raffinierten vokalen Texturen: Solostimmen, sich bewegende Klangblöcke und große repetitive Gesten bilden das Gerüst eines schlichten, aber bemerkenswert kraftvollen und unmittelbaren Werks.
Die Musik des italienischen Komponisten Giacinto Scelsi wurde erst Ende der 1980er Jahre, kurz vor seinem Tod, im Konzert gespielt – und damit wirklich entdeckt. Überzeugt davon, dass jeder Zuhörer denselben Ton je nach Position und Entfernung zum Instrument anders wahrnehmen würde, hielt Scelsi Aufführungen für überflüssig.
Dans Yliam, Scelsi wendet seine charakteristische Fokussierung auf einen einzigen Klang oder Klangkern auf eine vokale Masse an. Das Werk wird zu einer lebendigen Klangskulptur, die atmet und sich ständig verwandelt. Sein ältestes Tre Canti Sacri erforscht bereits diese Technik: genährt von religiösen und transzendenten Themen, ist es eine akustische Meditation, bei der die menschliche Stimme als Medium für eine sakrale Intensität dient.
Flagey, Brussels Philharmonic, Vlaams Radiokoor
15 €