Dinge, die man in Belgien sehen und vergessen sollte
Do., 9. Juli 2026 · 15:00
TinyGallery Brussels, Brussels
Wout De Ridder reist durch Belgien mit einer analogen Mittelformatkamera und richtet sein Objektiv auf das Beiläufige und Unbemerkte – ein verblasstes Schaufenster, ein Objekt am Straßenrand ohne erkennbaren Zweck, eine Wand, die zu oft gestrichen wurde. Nichts davon ist spezifisch für Belgien. Zusammengetragen wird es jedoch unbestreitbar, unwiderruflich belgisch. Das Wort dafür ist „Belgitude“. Es widersetzt sich der Übersetzung, was vielleicht passend für ein Land ist, das sich der Definition widersetzt. La Belgique ist ein Ort der Grenzen – sprachlich, kulturell, politisch – und in diesen Zwischenräumen schlägt etwas Eigenes still Wurzeln. Es ist kein Zufall, dass der Surrealismus hier einen seiner fruchtbarsten Böden fand. Magritte malte gewöhnliche Objekte, die ihrer Logik beraubt waren. Delvaux ließ vertraute Szenen in einem traumartigen Licht treiben. Etwas im belgischen Blick findet instinktiv das Fremde, das sich im Alltäglichen verbirgt. Neben den Fotografien von De Ridder eine zweite Werkgruppe: ein flämisches Familienalbum aus der TinyGallery-Sammlung, das fast ein Jahrhundert gewöhnlichen Lebens abdeckt – von den 1910er bis zu den 1960er Jahren. Das Licht ändert sich. Aber etwas bleibt bestehen – eine bestimmte Art, die Welt zu bewohnen, bescheiden und eigenwillig, schwer zu definieren und unmöglich zu verwechseln. Diese Beharrlichkeit, vielleicht, ist Belgitude.