Gepriesen für ihren „akuten Sinn für klangliche und sinnliche Intensitäten“ (Frankfurter Rundschau), präsentiert das Ensemble für zeitgenössische Kammermusik Extended Music Collective ein Programm, das sich mit Gefangenschaft und den menschlichen Reaktionen darauf auseinandersetzt. Durch Werke von Julius Eastman and Frederic Rzewski erforscht dieses Konzert physische Inhaftierung, soziale Ausgrenzung und ideologische Einschränkung sowie die Musik, die als Reaktion darauf entsteht, realisiert durch den anhaltenden Fokus und die kollektive Intensität der EMC-Performer. Julius Eastmans Gay Guerrilla kanalisiert eine radikale Vision von Selbstbestimmung und Opferbereitschaft, wobei minimalistische Komposition mit kompromissloser Ausdruckskraft verschmilzt. Eastman beschrieb einen „Guerillakämpfer“ als jemanden, der bereit ist, sein Leben für einen Standpunkt zu opfern, ein Konzept, das sich im unerbittlichen Antrieb des Werkes und der Weigerung, seine Botschaft abzuschwächen, verkörpert. Als einer der wenigen offen schwulen schwarzen Komponisten, die innerhalb der New York Avantgarde der 1970er und 80er Jahre anerkannt wurden, bleibt Eastmans Musik heute dringend und resonant. Frederic Rzewskis Diptychon von Coming Together and Attica wurde als Reaktion auf den 1971er Attica Prison Riots geschrieben, einen der tödlichsten Gefängnisaufstände in der Geschichte der USA. Häftlinge des Gefängnisses revoltierten und übernahmen die Kontrolle; eine ihrer wichtigsten Forderungen war die Anerkennung ihres Rechts, „als menschliche Wesen behandelt zu werden“. „Coming Together“, das Rzewski als „darüber, in einer extrem beengenden Situation so frei wie möglich zu sein“ beschrieb, vertont Worte aus einem Brief, der vom Gefangenen Sam Melville kurz vor seiner Tötung während der Attica-Aufstände geschrieben wurde. Attica, das als Nachfolge von Coming Together gedacht war, bietet ein Gegenbild in Form eines einzigen Satzes, der von einem Überlebenden gesprochen wurde: „Attica ist vor mir.“ Obwohl als Paar konzipiert, werden diese Werke selten zusammen aufgeführt, was dieses Programm sowohl historisch getreu als auch ungewöhnlich kraftvoll macht. Für das Publikum bietet dieses Programm Musik von außergewöhnlicher Dynamik und Fokus. Beharrliche Rhythmen, sich ansammelnde Schichten und anhaltende Intensität schaffen ein Erlebnis, das aufgeladen, dringend und zutiefst fesselnd zu hören ist.