Sofie Vanden Eynde & Imago Mundi | Tränen ins Licht
Sa., 31. Okt. 2026 · 20:00
Sint-Martinuskerk Ronse, Ronse
€10–22
Tears into Light ist eine multidisziplinäre Vorstellung, die alte Musik, zeitgenössische Komposition, Text und Pflegepraxis in einer eindringlichen Reflexion über Melancholie, Trauer und Resilienz zusammenbringt.
Ausgehend von John Dowlands Lachrymae oder Seven Tears entwickelt der künstlerische Leiter Sofie Vanden Eynde eine neue Klanglandschaft, in der Laute, Stimme, Duduk und Live-Elektronik miteinander in Dialog treten. Componist Vladimir Gorlinsky interpretiert Dowlands ikonisches Meisterwerk neu und verwebt es mit armenischen Traditionen und einer zeitgenössischen Sensibilität.
Das künstlerische Konzept keimte während eines langjährigen Forschungs- und Partizipationsprojekts in einem Wohn- und Pflegezentrum und einem palliativen Tageszentrum. In intimen Gesprächen teilten Bewohner und Gäste ihre Einsichten über Verlust, Reue, Trost, Dunkelheit und das unerwartete Licht. Diese Stimmen bildeten nicht nur ein emotionales Rückgrat, sondern steuerten auch die dramaturgischen und musikalischen Entscheidungen. Neue Texte von Fleur Pierets, zusammen mit Sufi-Poesie von unter anderem Hafez, verankern ihre Erfahrungen in der Vorstellung - buchstäblich hörbar in der Soundscape und im übertragenen Sinne im gefühlsmäßigen Unterstrom.
Der Klang der Duduk - ein Instrument, das traditionell Trauerrituale begleitet - wird zu einer Brücke zwischen Zeiten und Traditionen. Sein flüsternder Ton vermischt sich mit elisabethanischer Melancholie und neuen Kompositionen und verkörpert die Reise von der Dunkelheit zum Licht. Was als eine unvollendete Einladung begann, ein Programm rund um Armenien zu kreieren, wuchs so zu einer tiefgreifenden Untersuchung darüber, wie Trauer, Geschichte und Hoffnung ineinandergreifen.
Die Dramaturgie nähert sich der Melancholie als eine Form von Aufmerksamkeit und innerem Raum, inspiriert von Denkern wie Robert Burton, dem School of Night und mystischen Strömungen innerhalb des Sufismus. Melancholie erscheint hier nicht als Schwere oder Stillstand, sondern als eine notwendige Verzögerung, in der Reflexion, Empathie und Transformation entstehen können: „O Morgenwind, bringe mir die Nachricht der Morgendämmerung…“ (Hafez).
Die bildende Künstlerin Ria Verhaeghe fügt eine subtile, aber bedeutungsvolle visuelle Ebene hinzu. Ihr Werk, in dem anonyme Fotos neu gelesen und transformiert werden, bildet eine poetische Reflexion darüber, wie Geschichte, Erinnerung und Identität sich weiterhin umschreiben - ein Prozess, der eng an die musikalischen Neuinterpretationen innerhalb von Tears into Light anschließt.
Die Vorstellung will einen Raum schaffen, in dem Dunkelheit nicht abgewehrt, sondern aufmerksam angegangen wird - wo Musik, Kunst und menschliche Geschichten zusammen eine Öffnung zum Licht machen: „O Herz, fürchte dich nicht vor der langen Nacht… denn in der tiefsten Nacht ist die Morgendämmerung am nächsten.“ (Hafez)
Eugénie De Mey: Gesang
Vardan Hovanissian: Duduk
Sofie Vanden Eynde: künstlerische Leitung und Laute
Jo Thielemans: Live-Electronics
Texte: u.a. Fleur Pierets
Muziek: u.a. John Dowland und Vladimir Gorlinsky
Beeldend Werk: Ria Verhaeghe