Eine Frau stellt sich der Polizei, sie scheint schuldig zu sein. Schuldig wofür, das könnte sie nicht sagen, aber sie muss wohl an irgendetwas schuldig sein. Avec De mon plein gré, nach dem Roman von Mathilde Forget, man wird in den Magen, ins Herz getroffen: Es handelt sich um die Erzählung einer Vergewaltigung, genauer gesagt einer lesbophoben Vergewaltigung.
Pour Jessica Gazon, einige Werke waren ein Lebensmotor. Besonders das Schreiben über sich selbst, das Gegenstand ihrer Arbeit war: Die Adaption eines Romans für das Theater ist eine Verschiebung, eine Übersetzung, die bereits eine Form an sich ist. De mon plein gré ist ein chorisches Stück, leuchtend, voller Fragen, das Kraft gibt, uns nährt und ein wenig heilt.
Die Inszenierung zerlegt, analysiert, begleitet uns beim Verständnis der Mechanismen einer Gesellschaft, die gegenüber Opfern sexueller Übergriffe gewalttätig ist. Besonders gegenüber jenen, deren Leben nicht der erwarteten Norm entspricht. Anzeige erstatten, die unendliche Geschichte dessen, was man nicht benennen will, immer wieder erzählen, bei der Polizei, bei der Justiz, sich selbst gegenüber. Diesen langen und schmerzhaften Weg mit all seinen Hindernissen erzählen Jessica Gazon und ihr Team mit Radikalität, mit Zärtlichkeit. Ein notwendiges Spektakel.