Im Herzen einer kolonialen Plantage ziehen die Lebenden oder Toten vorbei und kreuzen sich, geleitet von der schelmischen und rätselhaften Stimme eines Kindes. Direkt aus der karnevalesken Vorstellungskraft der Karibik entsprungen, treten uns verschiedene Figuren gegenüber, die Gedichte und Beschwörungen deklamieren. Rectum Crocodile ist ein magisches Märchen, eine politische und getanzte Fabel, die versucht, die Geister der weißen Vorherrschaft im „Nouveau Monde“ zu exorzieren. Marvin M'toumo, zugleich Regisseur und Stylist, bietet uns eine tiefe und fiebrige Kreation, in der sich die Geste mit dem Wort vermischt und beide in Tänzen verschmelzen. Die mit Sorgfalt und Anspruch entworfenen Kostüme tragen zur wunderbaren Dimension dieses Projekts bei. Wie sein Autor befindet sich das Stück an der Schnittstelle mehrerer Künste: Tanz, Mode, Theater und Poesie unter anderem. Es beruft sich ebenso auf europäische Bühnencodes wie auf karibische Vorstellungswelten, die beide die Geschichte als Bindeglied haben. Rectum Crocodile ist ein Prozess, eingetaucht in das Herz einer Fauna und Flora, die regieren. Innerhalb einer üppigen Plantage hinterfragen die Natur und die Menschen Sklaverei, Kolonialismus und alle Formen der Vorherrschaft. Polyphonien von Stimmen und gekreuzten Körpern, dieses getanzte Gedicht ist ein leuchtendes und strahlendes Pamphlet gegen Diskriminierung und Unterdrückung. Programmiert mit der Komplizenschaft des Kaaitheater, ist Rectum Crocodile ebenso ein Brüllen wie ein Manifest. Blendend und unverschämt in ihrer Pracht, beruft sich das Stück auf die koloniale Vergangenheit und verlangt von ihr Rechenschaft. Es unterstreicht die Wichtigkeit, dieses gemeinsame Erbe kollektiv weiter zu graben. In Kopräsentation mit dem Kaaitheater.