Am Vorabend des 17. Jahrhunderts balanciert England auf einer Bruchlinie. Die kulturelle Blüte unter Elisabeth I. geht Hand in Hand mit religiöser Unterdrückung, politischer Unsicherheit und einem wachsenden Gefühl der Bedrohung. Diese Spannung klingt in der Musik jener Zeit nach. Komponisten suchen nach neuen Ausdrucksmitteln und finden diese in ausgeprägter Chromatik, tiefgreifender Textdarstellung und starken Kontrasten. The Gesualdo Six beschwört dieses dunkel glühende England mit einem intensiven Programm aus sakraler und weltlicher Musik herauf. Werk van William Byrd – katholisch in einer protestantischen Nation – steht neben der feinsinnigen Handwerkskunst von Orlando Gibbons, der theatralischen Schärfe von Thomas Weelkes, der Melancholie von John Dowland und den expressiven Madrigalen von Thomas Morley. Aus ihrer Musik erhebt sich ein England mit einer eigenen Stimme im Chor des mehrstimmigen Europas: scheinbar beherrscht, aber voller innerer Spannung.