Weltberühmt als Pionier des Jugendstils, zeigt der Brüsseler Architekt Victor Horta in het centrum eine weniger bekannte, aber mindestens ebenso faszinierende Seite. In einer sich schnell verändernden Hauptstadt suchte er nach neuen Formen für eine moderne Stadt. Seine Stärke liegt in der Verbindung von Funktionalität, konstruktiver Innovation, Licht und raffinierter Detaillierung, stets angepasst an Maßstab und Kontext. Diese Führung erkundet das Zentrum von Brüssel anhand der Arbeit und der Ideen von Horta, auf einem Spaziergang durch sein Gesamtwerk.
Bruchlinien in der Stadt
Das Viertel um den heutigen Hauptbahnhof war einst ein dicht bebautes und lebendiges Arbeiterviertel. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fanden hier tiefgreifende Abrissarbeiten statt, um Platz für das Centraal Station und für die Bahnverbindung zwischen Nord- und Südbahnhof zu schaffen. Diese Stadterneuerung hinterließ tiefe Spuren im städtischen Gefüge. Genau in diesem Kontext schlug Horta im Zentrum einen anderen Weg ein als mit seiner exuberranten Jugendstil-Architektur. Er entwickelte sich zu einer strafferen, rationaleren Formensprache, die auf groß angelegte Infrastruktur und neue städtische Ambitionen reagierte.
Während des Spaziergangs entdecken wir unter anderem das ehemalige Kaufhaus Waucquez, heute das Belgisch Stripmuseum, ein Schlüsselwerk, in dem Horta Licht, Struktur und Zirkulation meisterhaft kombiniert. Auch die Fassade des Geschäfts des Juweliers Wolfers zeugt von seiner Fähigkeit, selbst innerhalb begrenzter städtischer Rahmenbedingungen Eleganz und Modernität zu vereinen. Die Führung widmet sich zudem anderen markanten Realisierungen aus der Zwischenkriegszeit, wodurch Hortas Werk in eine breitere architektonische Entwicklung eingeordnet wird. So entfaltet sich eine vielschichtige Geschichte eines Architekten und einer Stadt im Wandel.