Zwei Wochenenden lang atmet Brügge AMOK.\nAMOK bringt an den ersten beiden Wochenenden im Oktober Interventionen an unerwartete Orte - ein Schwimmbad, ein Wohnpflegezentrum, ein psychiatrisches Krankenhaus - mit einer Frage als rotem Faden: AM I OK?\nMusik, Film, Performance und Pflege finden einander. Kunst als Art, zu verlangsamen, zu fühlen, zusammen zu sein.\n\nKunst als Pflege, Pflege als Kunst\n\nAMOK geht von einer einfachen, aber kraftvollen Überzeugung aus: Kunst ist eine Form der Pflege. Mit diesem Gedanken als rotem Faden bringt das Festival zwei Wochenenden lang Musik, Performance, Film und partizipative Projekte an besonderen Orten in Brügge zusammen.\n\nKunst als Pflege (2.-4. Oktober)\n\nDas erste Wochenende taucht das Publikum in Kunst ein. Im Guilini Zwembad transformiert Pool of Sound das Wasser in ein Klanguniversum mit Musik von Elena Rykova, Pak Yan Lau und Joël Cahen. campfire von Bosse Provoost und Ezra Veldhuis umhüllt den Zuhörer mit Licht, Klang und Geschichten.\n\nDas Festival eröffnet festlich mit einer kostenlosen W.E.R.F. records night in Cactus, mit unter anderem Compro Oro, Helena Casella und Kunde. Weiter stehen das isländische Quartett ADHD, das österreichische other:M:other und das Avantgarde-Ensemble Nist-Nah van Will Guthrie auf dem Programm. Musiker und Filmemacher Micha Volders bringt seinen Doku-Fiktionskurzfilm SŏN als Live-Performance, begleitet von Archivbildern als Tableaux vivants. In Pflegeorten wie Viro und dem Huis met vele Kamers werden intime 'Presentjes' aus Begegnungen zwischen Künstlern und Bewohnern kreiert.\n\nKunst in der Pflege (10.-11. Oktober)\n\nFür das zweite Wochenende lässt sich AMOK im Psychiatrisch Ziekenhuis Onzelievevrouw nieder, im Rahmen der Open Geestdagen van Te Gek!?. In einem Parcours aus Performances, Installationen und Konzerten lernt das große Publikum Kunst in der Pflege und einen pflegenden Kontext kennen. Dans in Brugge-Macher Christian Bakalov verweilt einen Monat lang in der Einrichtung, um sich für sein Breathing Choir inspirieren und nähren zu lassen. Dies ist ein Chor mit Teilnehmern, der sich auf eine Praxis rund um Atemtechniken fokussiert, die oft in der psychischen Gesundheitsfürsorge verwendet werden. Es verspricht eine immersive Performance zu werden.\n\nAnneleen Keppens thematisiert in der Premiere von Lullabye den Mangel an gesellschaftlicher Pflege für Mütter. In einer Szenografie mit einer wiegenden Hängematte singt, tanzt und verkörpert Keppens Wiegenlieder über die Ambivalenz von Mutterschaft und anderen Pflegepraktiken. Danach folgt ein intimes Pflegeritual, gerichtet an pflegende Angehörige.\nAuf dem Programm stehen weiter sowohl kollektive Momente von Atem, Bewegung und Klang als auch intime Eins-zu-eins-Erfahrungen. In den Gewächshäusern lädt Benno Steinegger dazu ein, Pflanzen zuzuhören, granvat sorgt für eine entkrampfende Hörmassage und Robbert&Frank Frank&Robbert lässt dich basteln, um deine Sorgen zu vergessen. Die Kapelle fungiert an jenem Wochenende als Konzertsaal. So ist Joachim Badenhorst dort mit seinem letzten Album Youran über Trauer und Loslassen, und die argentinische Performerin Paula Sanchez erkundet die Grenzen des Cellos mit ihrem Körper.\nEs gibt auch ein Angebot für den aktiven Teilnehmer. Katleen Van Langendonck, Kurator und Trauercoach, leitet ein Mindful Walk, bei dem Atmung und gehende Meditation Hand in Hand gehen. Auch klinischer Psychologe Brenda Anyango lädt zu einem körperorientierten Workshop mit Healing Movements ein. Über Momente der Bewegung und Stille lernst du, auf deinen Körper zu hören. Das pflegende Kunstprojekt t a s t b a a r collectief bringt künstlerische, intime Rituale nach Maß, wobei Familien zusammen sich bewegen auf der Erkundung nach dem, was Trost bieten kann.\nSchließlich laden die Tischreden - inspiriert von den legendären Interventionen von James Ensor - während eines gemeinsamen Abendessens zu Gespräch und Reflexion rund um Kunst, Pflege und gesellschaftliche blinde Flecken ein, und die Delicate Revolutie macht in Zusammenarbeit mit De Republiek Raum für Begegnung und Dialog.\n\nKunst und Pflege gehen immer öfter Hand in Hand, und das wollen wir mit den aufgesetzten Zusammenarbeiten auch gerne nachhaltig in die Zukunft weitertragen.