Im Juli 2023 schloss die Europäische Union ein sehr umstrittenes Migrationsabkommen mit Tunesien. Dieses Abkommen wurde als „Win-Win“-Situation für beide Parteien präsentiert. Aber ist das wirklich der Fall? Die Kritiker·innen des Abkommens sehen darin eine Fortsetzung der kolonialen Abkommen der Vergangenheit. Sie behaupten, dass Europa damit das Leid und den Tod tausender Menschen auf der Flucht provoziert. En Tunisie, es ist praktisch unmöglich, dieses Abkommen zu kritisieren; kritische Stimmen werden dort zum Schweigen gebracht. Die Befürworter·innen bezeichnen dieses Abkommen als mutige Antwort auf das, was sie als die größte gesellschaftliche Herausforderung in Europa betrachten. Sie präsentieren Migration als eine existenzielle Bedrohung, die zur „Auslöschung der europäischen Zivilisation“ führen wird, wie es Donald Trump ausdrückte. Was ist die Wahrheit? Und was bleibt von der Würde? Dans Dignity, der Regisseur Chokri Ben Chikha setzt eine tunesische Kommission für Würde im Exil ein. Das Stück bildet den dritten Teil seiner Trilogie „Kommission der Wahrheit“ – nach TEIL I – der belgische Senat (2018) und TEIL II – der niederländische Senat (2024). Es entstand aus einem künstlerischen Forschungsprojekt von Ben Chikha / Action Zoo Humain in Zusammenarbeit mit L’Art Rue über die Folgen des Migrationsabkommens in der tunesischen Gesellschaft. Künstler, Wissenschaftler und Bürger·innen bringen dort ihre Wahrheit über Migration und Menschenrechte zur Geltung. Dignity inspiriert sich an der südafrikanischen Wahrheitskommission, die unter dem Vorsitz von Erzbischof Desmond Tutu das Ziel hatte, alle betroffenen Gruppen nach der Apartheid anzuhören, um danach besser zusammenleben zu können. Die Bühne verwandelt sich auch hier in einen Ort, an dem Zeugen und Kommissionsmitglieder ihre Geschichten, ihre Zweifel und ihre Wahrheiten durch Wort, Bild und Gesang teilen. Unter der Leitung von Mpho Tutu van Furth, der Tochter von Erzbischof Desmond Tutu, stellt die Kommission die folgende Frage: Welche Würde steht beim Abschluss von Migrationsabkommen auf dem Spiel? Und wer erleidet die Demütigung? • Chokri Ben Chikha (1969) ist Regisseur, Performer, künstlerischer Forscher und Autor. Er hat zahlreiche Stücke für Institutionen und künstlerische Organisationen in den Niederlanden sowie im Ausland inszeniert. Mehrere seiner künstlerischen Projekte wurden für ihre gesellschaftliche Relevanz und künstlerische Innovation ausgezeichnet. Er widmet sich heute hauptsächlich den Produktionen seiner Kompanie Action Zoo Humain. Diese Kompanie erforscht, inwieweit das Theater direkt in die Realität eingreifen kann, ohne dabei sein poetisches Potenzial und seine Selbstkritik zu verlieren. Sie nutzt zu diesem Zweck das historische Konzept des „Menschenzoos“ als Instrument der Forschung und Untersuchung, um ethnische, religiöse, politische und wirtschaftliche Konfliktzonen zu hinterfragen. Ben Chikha betreut auch zahlreiche junge und neue Theatermacher·innen und/oder Schauspieler·innen und lehrt sowohl an der KASK/School of Arts/HoGent als auch an der Universität Antwerpen. Er hält zudem Vorträge und Performances in verschiedenen (Bildungs-)Einrichtungen, sowohl in Belgien als auch im Ausland.