Der Körper und die Materie. Félix Roulin in Louvain-la-Neuve
Do., 2. Juli 2026 · 22:00
Ottignies-Louvain-la-Neuve
Diese dem Bildhauer Félix Roulin gewidmete Ausstellung entstand aus dem Wunsch heraus, das dreißigjährige Bestehen des Platzes Pierre de Coubertin zu feiern, der 1996 mit dem Ensemble „Hommage au corps en douze fragments, attitudes et mouvements“ eingeweiht wurde.
Der 1931 geborene Félix Roulin ist der Schöpfer eines monumentalen Werks – mehr als zweitausend Skulpturen in siebzig Jahren –, das in einem ununterbrochenen Dialog mit dem Rohmaterial und dem menschlichen Körper entstand. Die Ausstellung zeichnet die wichtigsten Richtungen dieses Werks nach: von der lyrischen Abstraktion der 1950er Jahre bis zu den durch Bronze veredelten Körperfragmenten, von den Hommagen an Homer und Baudelaire bis zu den futuristischen Visionen von Hermes und Ikarus.
Die Ausstellung erstreckt sich über vier ergänzende Standorte, von denen jeder eine andere Facette des Werks beleuchtet.
Le Learning Center Christine de Pizan bildet den Kern: Skulpturen, Modelle und Dokumente zeichnen die wichtigsten Etappen seiner langen Karriere nach, von der sakralen Kunst der Nachkriegszeit bis zur lyrischen Abstraktion, von den aus dem Ton auftauchenden Körperfragmenten bis zu den Dialogen mit der Mythologie und der Kunstgeschichte. Hier realisierte Félix Roulin auch seine Relecture du Laocoon, die im Außenhof neben dem Ausstellungsraum zu sehen ist.
Der Platz Pierre de Coubertin ist das monumentale Herzstück der Ausstellung. „Hommage au corps en douze fragments, attitudes et mouvements“, 1996 eingeweiht, entfaltet im öffentlichen Raum eine zugleich heroische und intime Vision des menschlichen Körpers: Nackte und anonyme Bronzefragmente tauchen aus ihren Sockeln auf wie Augenblicke, die in der Zeit festgehalten wurden.
Le Musée L präsentiert zwei ergänzende Werke: „Silhouette“, eine abstrakte Skulptur, und einen Druck des Torse du Belvédère, die den ständigen Dialog bezeugen, den Roulin mit der antiken Kunst pflegt.
Das Industriegebiet bietet schließlich eine unerwartete Begegnung: Seit 1977 ragt eine gebrochene Säule aus dem Boden, die archaische Erinnerung und zeitgenössische Landschaft miteinander verbindet. Ein Werk, das es außerhalb der Mauern zu entdecken gilt, dort, wo die Skulptur auf das Territorium trifft.