Quer durch Molenbeek: Brauereien, Industrie und Widerstandsfähigkeit entlang des Kanals
So., 7. Juni 2026 · 14:00
Quai aux Briques, Brussels
€20
Was heute ein dicht bebautes und lebendiges Stadtviertel ist, begann einst als bescheidene Gemeinde am Rande von Brüssel. Bei der Entstehung Belgiens erlebte Sint-Jans-Molenbeek dank seiner strategischen Lage am Kanal und in der Nähe von Tour & Taxis eine rasante Transformation. Industrie, Handel und Arbeiterwohnungen wuchsen hier in einem beispiellosen Tempo und machten Unter-Molenbeek zu einem der wirtschaftlichen Motoren der Hauptstadt. Die große Nachfrage nach Arbeitskräften zog Migranten an, zuerst aus anderen belgischen Regionen und später aus dem Ausland, die hier einen Ort zum Wohnen und Arbeiten fanden.
Verfall und Wiedergeburt
In In Molenbeek, das „kleines Manchester“ genannt wurde, wurden Zigaretten am Fließband gerollt, Textilien gewebt, Bier gebraut und Bronze gegossen, die ihren Weg bis nach New York und in andere Weltstädte fand. Doch nach den Weltkriegen verlor die Gemeinde allmählich ihre wirtschaftliche Schlagkraft. Fabriken schlossen ihre Türen, Arbeitsplätze verschwanden und der frühere Wohlstand wich der Verletzlichkeit. Das Viertel war mit veralteten Gebäuden und einer sich verändernden Bevölkerungszusammensetzung konfrontiert, aber die industrielle Vergangenheit blieb in der städtischen Struktur sichtbar. Lagerhäuser, breite Alleen und kompakte Wohnblöcke erzählen noch immer die Geschichte von Wachstum und Niedergang.
Gerade aus dieser Zeit des Rückgangs wuchs eine starke Widerstandsfähigkeit. Bewohner, lokale Unternehmer und Vereine gaben und geben Unter-Molenbeek immer wieder neuen Schwung. Alte Industriestandorte werden wiederverwendet, soziale und kulturelle Initiativen blühen auf und das Viertel erfindet sich ständig neu. Dieser Spaziergang zeigt Molenbeek nicht als Problemviertel, sondern als einen Ort, an dem Geschichte, Kreativität und städtische Erneuerung ständig im Dialog miteinander stehen.