Dans Ch’ttahh, Bilal El Had kehrt zu der Tanzform zurück, mit der er aufgewachsen ist: dem marokkanischen Chaâbi, diesem populären Tanz und dieser folkloristischen Musik, die untrennbar mit Hochzeiten, Festen in den Salons und Straßenfeiern verbunden sind. Das Stück verbindet zeitgenössischen Tanz mit den jahrhundertealten Rhythmen, Gesängen und Symbolen des Chaâbi. Durch ein Spiel mit Gesten erforscht El Had die lange Geschichte der Männer, die die Geschlechternormen im Tanz, in der Poesie oder in der Musik herausfordern. Indem er die Subversion der konventionellen Männlichkeit, die dem Chaâbi eigen ist, entblößt, lässt Bilal El Had Echos aus Archiven auf zeitgenössische Körper prallen. Durch die Choreografie zeigt er so, wie soziale Normen verkörpert, auferlegt und herausgefordert werden. Dank der Ausdrucksstärke des Chaâbi entsteht das transformative Potenzial des Tanzes, um das kulturelle Gedächtnis zu bewahren und gleichzeitig vorsichtig den Weg in die Zukunft zu zeichnen. Zwischen Hommage und Erneuerung, Humor und Anklage kanalisiert Ch’ttahh die Explosivität der Gegenwart, um einen zärtlichen Blick auf eine kollektive Vergangenheit zu werfen. • Bilal El Had (geboren 1991) ist ein marokkanischer Tänzer und Performer, der in Brüssel lebt und arbeitet. Nach seiner Ausbildung bei P.A.R.T.S. hat er als Performer unter anderem mit Anne Teresa De Keersmaeker, Salva Sanchis, Radouan Mriziga, Laurent Chétouane und Maud Blandel zusammengearbeitet. Er entwickelt derzeit seine eigene Arbeit als Choreograf, wobei er den Schwerpunkt auf die Beziehung zwischen Musik und Tanz als Raum legt, in dem sich traditionelle Formen, kulturelles Gedächtnis und kollektives Bewusstsein kreuzen und transformieren.