Zwischen schmutzigen Tellern, leeren Flaschen und durch Kugeln zerbrochenen Gläsern öffnet sich eine Welt von Cowboys/Cowgirls, Gesetzlosen, Helden/Heldinnen und Anti-Helden/Anti-Heldinnen. Jemandem wird ohne Grund der Schädel eingeschlagen. Das Kreuz Christi wird beschossen und ein Duell bricht um seine Trümmer aus. Ausgehend von einem Prolog voller Gewalt und Klischees hinterfragt Spaghetti Western die Heuchelei der neuen westlichen imperialistischen Politik. Eine satirische und epische-historische Dekonstruktion unserer (sogenannten) Nachkriegsgeschichte. In diesem Stück befindet sich das Far West weder im 19. Jahrhundert noch in den Vereinigten Staaten. Im Gegenteil, das Far West ist hier, überall und jetzt. Bilder von Gewalt können nicht mehr aus dem Alltag verbannt werden. Und die Propaganda, die darauf abzielt, die westliche Politik innerhalb der geopolitischen Ordnung zu rechtfertigen, ist ebenfalls allgegenwärtig. So sehr, dass wir anfangen, das als normal zu empfinden. Währenddessen wachsen Polarisierung und Unbehagen in der Bevölkerung. Avec Spaghetti Western, die Schauspieler/innen und Theaterregisseure/innen Aurelie Di Marino, Renée Goethijn, Femke Stallaert, Michiel Soete, Oscar Briou, Edoardo Ripani, Oxana Sankova, Atta Nasser, Nona Buhrs, Roel Faes, Paola Bartoletti, Yuni Mahieu, Giovanni Barcella, Kaat Arnaert, Tomas Pevenage und Anthony Chang lassen sich vom gleichnamigen italienischen Filmgenre inspirieren, einer kritischen Variante des klassischen amerikanischen Westerns, die ihren Höhepunkt Ende der 60er Jahre hatte. • Aurelie Di Marino (°1986) ist Theaterregisseurin und Regieassistentin. Sie studierte Literaturwissenschaften an der KU Leuven und erwarb 2013 ihren Master in Regie am RITCS. Im Rahmen ihrer Praxis bewegt sie sich zwischen Theater, Performance und Forschung und entwickelt einen gefestigten künstlerischen Weg, sowohl individuell als auch durch langfristige Kooperationen und Kollektive. Ihre künstlerische Praxis zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Interesse an Ideologie, Macht, Ethik und kollektiven Mythen aus. Sie trat als Schauspielerin und Schöpferin auf der Bühne sowie in Ausstellungskontexten auf und nahm an Produktionen in Institutionen wie dem Kaaitheater, Antigone, dem Beursschouwburg, dem Theater Arsenaal, Detheatermaker und Buda teil. Von 2013 bis 2022 war sie eines der Gründungsmitglieder von K.A.K. (Koekelbergse Alliantie van Knutselaars), einem Kollektiv, das durch künstlerische Besetzungen öffentlicher und verlassener Räume in Belgien und international Forschungen zu Selbstorganisation, Gemeinschaft und künstlerischer Autonomie durchführte. Seit 2022 arbeitet sie an Malgré Tout, einer mehrjährigen Chronik der westlichen „Zivilisation“, die im Juni 2025 in Brüssel in Zusammenarbeit mit dem Kaaitheater und dem Théâtre Varia entstand. • Renée Goethijn (°1987, BE, sie) absolvierte die Ausbildung zur Kreation am RITCS School of Arts de Bruxelles. Dort erforscht sie die Grenzen zwischen Theater und bildender Kunst. Sie schafft visuelle und absurde Stücke, in denen die Szenografie oft im Mittelpunkt der Darstellung steht. So schafft sie seltsame Parallelrealitäten, die die Prinzipien und Mechanismen offenlegen, die unsere soziale Realität regieren. Seit ihrem Abschluss besteht Renées künstlerische Arbeit aus einer ständigen Interaktion zwischen einem individuellen Weg, kollektiven Praktiken und anderen Kooperationen. 2014 gründete sie K.A.K. (Koekelbergse Alliantie van Knutselaars) mit mehreren anderen ehemaligen RITCS-Studenten. Ein horizontaler Verband, der 16 Theaterschaffende, Bastler, Denker und andere Kreative vereint, auf der Suche nach anderen Formen der Kreation, Präsentation und Kollektivität. Mit K.A.K. realisierte sie in den letzten Jahren unter anderem Office de Tourisme/ Agence de Voyage (2016), Life, Death and Television (2018), Snøw (2019), The Unheard (2020),… Mit KWP realisierte sie unter anderem 4 Women Getting Sick (2025), eine Koproduktion des Kaaitheater, Viernulvier, Antigone und C-takt/Beyond the black box.