Im pulsierenden Paris des späten zwölften und frühen dreizehnten Jahrhunderts vollzog sich eine musikalische Revolution. De Notre-Dame-Schule durchbrach die Grenzen des Gregorianischen und legte die Grundlagen der europäischen Polyphonie. Komponisten wie Léonin und Pérotin wagten das Undenkbare: sie ließen mehrere Stimmen gleichzeitig erklingen in einem Gewebe aus Klang, das ebenso gewagt wie raffiniert war. Was hier entstand, war keine Evolution, sondern ein radikaler Sprung vorwärts in der Musikgeschichte.\n\nDiese bahnbrechende Kunstform war ein Wendepunkt ohne Präzedenzfall. Spirituelle Ekstase wurde mit einer fast architektonischen Strenge gekoppelt, als ob die Kathedrale selbst in Musik umgesetzt würde. Het Huelgas Ensemble erweckt diese überwältigende Klangwelt erneut zum Leben, mit historischer Präzision und einer Intensität, die den Zuhörer direkt ins Herz dieser musikalischen Umwälzung platziert.