In August 1566, Männer mit roten Schärpen – Symbole des Widerstands gegen Philipp II. – stürmten St Peters Kirche in Leiden in einem Akt offener Rebellion gegen die spanische Herrschaft und die Catholic Church. Obwohl es den Wachen zunächst gelang, die Vandalen zu vertreiben, brach in jener Nacht ein Mob wütender Bilderstürmer ein. Die Kirche fiel der Wut der rebellischen Menge zum Opfer. Ein Großteil des Kircheninneren wurde zerstört, aber einige wertvolle Gegenstände blieben verschont. Versteckt in der verschlossenen Sakristei, außerhalb der Reichweite zerstörerischer Hände, lag eine Sammlung kostbarer Manuskripte. Chorbücher mit geistlicher Musik der renommiertesten franko-flämischen Komponisten der Zeit konnten so dem Bildersturm entkommen. Eines dieser sogenannten Leiden Choir Books enthält eine Transkription von Jean Richaforts sechsstimmigem Requiem, vermutlich komponiert im Gedenken an seinen berühmten Lehrer Josquin des Prez. Indem Cappella Pratensis die Messe in ihren liturgischen Kontext stellt, rekonstruiert er die Requiem-Messe so, wie sie in Leiden zwischen der Kopie von Richaforts Komposition 1559 und der Plünderung der Kirche 1566 geklungen haben könnte, einschließlich dramatischer Elemente wie Glocken und Prozessionen. Bio
Cappella Pratensis ist ein niederländisches Vokalensemble, das sich auf polyphone Musik der Renaissance spezialisiert hat. Unter der Leitung von Tim Braithwaite singt das Ensemble direkt aus historischer Notation. Als Ensemble in Residence am Alamire Foundation erforscht Cappella Pratensis dieses Repertoire durch die Untersuchung historischer Improvisation, pädagogischer Methoden und liturgischer Rekonstruktionen. -------------------------------- >>> Dieses Konzert ist Teil von Voices of Passion 2027. Entdecken Sie während dieser Festivalausgabe, wie franko-flämische Komponisten des 16. Jahrhunderts auf internationalen Routen reisten und überall fruchtbaren Boden fanden. Zusammen mit ihnen erklang Musik – bewahrt in Manuskripten und Drucken – in zahlreichen städtischen Zentren, an fürstlichen Höfen sowie in Kapellen, Kirchen und Kathedralen. Löwen und Polyphonie sind seit Jahrhunderten eng miteinander verflochten. Zusammen mit dem Alamire Foundation hebt 30CC diese Tradition sowie aktuelle Forschung und Aufführungspraxis während des Festivals „Passion of the Voices“ hervor.