Lasse Vonck wurde als junger Künstler von Presse und Publikum zum Wunderkind ausgerufen und bejubelt.
Dreißig Jahre später ist das nicht mehr der Fall. Dass die Menschen ihn mit den Jahren vergessen haben, findet er ein erträgliches Schicksal, aber er ist auf der Suche; er sucht ein Ziel, Sinn. An einem Frühlingsmorgen ohne Glanz ist Lasse beim Erwachen derart von sich selbst entfremdet, dass er nicht mehr genau weiß, wer er ist. Er kann sogar nicht mehr sprechen.
Confessie
ist inspiriert von der zeit- und beispiellosen Geschichte De Gedaanteverwisseling
van Franz Kafka. Es zeichnet ein Porträt des Menschen als stiller Protest.
Ich habe wirklich nichts mit Autos
aber ich hatte einen seltsamen Traum
hat mich lange beschäftigt
es geht um einen
-wie sagt man das-
einen Familienwagen
Ich bin neun Jahre alt
und meine Mutter und ich schauen aus dem Fenster
Wir sehen einen stark bemuskelten Mann im Unterhemd
der nacheinander
alle vier Reifen
vom weißen Citroën BX
meines Vaters demontiert
danach holt er einen Vorschlaghammer heraus
und schlägt alle Fenster in Scherben
zerreißt fröhlich alle Sitze
-vorne und hinten-
in Fetzen
reißt das Autoradio heraus
bricht die Seitenspiegel ab
zieht das Lenkrad heraus
und meine Mutter schaut zu
und sie tut nichts
und ich laufe nach draußen
der Mann im Unterhemd ist -puff- aufgelöst
und ich will rufen
ich will schreien
aber es gelingt mir nicht
es gelingt mir schon wieder nicht
für mich selbst einzustehen
warum ist das so schwierig
und ich schaue auf das, was vom Citroën übrig bleibt
ich sehe den Platz, wo ich immer saß
als wir in den Urlaub aufbrachen
In der Mitte des Rücksitzes
so ein bisschen nach vorne
zwischen meinem Vater und meiner Mutter
Ellbogen auf der Seite ihrer Sitze
und ich darf die Kassette aussuchen, um sie ins Autoradio zu stecken
‘lieber kleiner Piranha
zerreiß mich’