„De Vader“ geht vom gleichnamigen Drama von August Strindberg (1887) aus. Im ursprünglichen Plot landet Adolf, Vater des Hauses und Berufsmilitär, in einer tiefen Krise, nachdem seine Ehefrau suggeriert, dass er vielleicht nicht der echte Vater ihres Kindes ist. Was stellt der Patriarch noch dar, wenn er keine Macht über sein eigenes Fleisch und Blut hat? Am Ende des Stücks stirbt Strindbergs Held in einer Zwangsjacke, geisteskrank und gebrochen. Frau und Tochter bleiben triumphierend zurück.
Zusammen mit Anna Franziska Jäger und Rodrigo Batista schreiben Marieke Schraepen und Sophia Bauer das patriarchale Erbe von „De Vader“ um. Sie nehmen Strindbergs Angst vor Überflüssigkeit als Ausgangspunkt: Wie würde eine Welt ohne Männer aussehen? Aus einer Hass-Liebe heraus zeigen sie fluide, andersartige Formen von (männlicher) Autorität.
Sie lassen sich dabei von feministischer Performancekunst und pornografischen Klischees aus den Jahren 1960-1980 inspirieren. Neben das Skelett des Originaltextes stellen sie Strindbergs theoretische Pamphlete und Tagebuchfragmente. Sie übersetzen diese in zeitgenössische Formen: Videotagebücher, Deepfakes, Körperrituale. Sie blasen die Selbstbesessenheit der Hauptfigur auf und platzieren sie in einer breiteren gesellschaftlichen Tendenz. Können wir unsere kollektive Flucht nach innen – zu unserem Ich, unserer Privatsphäre, unserem Interieur – noch umkehren und eine Brücke zum anderen schlagen?
Mit ihrer spielerischen, körperlichen Sprache stellt Marieke&Sophia Strindbergs das paranoide Männerskript auf den Kopf. Ihre (perverse) weibliche Fantasie übernimmt Adolfs gewalttätiges Weltbild und verändert es von innen heraus.
In Zusammenarbeit mit dem Kunstzentrum BUDA.
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